Tintentränen

Das Selbstverlegern von Büchern ist so ziemlich der härteste Weg, welchen ein Autor gehen kann. Alle hoffen irgendwie auf den großen Verlag. Das ist ähnlich wie bei der Musik. Manche schaffen es, andere nicht, doch die Musiker schauen auf die großen Plattenfirmen. Will man da immer hin? Mag man sich verbiegen lassen? Ich weiß nicht, persönlich habe ich keine Lust darauf. Aber viele erhoffen sich das große Los.

Doch wisst ihr, was ich bei den richtig guten Büchern von Selfpublishern denke? Sie haben einfach mehr Seele. Man findet den Autoren zwischen den Zeilen, man spürt seine Geschichte, seine Gedanken, seine Erfahrungen und das macht diese Werke immer wieder besonders.

Gut, ich gebe zu, es gibt viele schlechte Bücher darunter, aber wenn man ehrlich ist, findet man die auch bei den größeren Verlagen und in den Buchhandlungen.

Hier jedoch, hatte ich einmal wieder das absolute Glück eine einmalige Erzählung zu finden. Ein Roman der mich tief berührte, mich zum Nachdenken anregte und mich absolut beeindruckte.

Gebt solchen Leuten eine Chance gelesen zu werden!

Iris Krumbiegel hat einen großen Platz in der Buchwelt verdient. Sie sollte auf jedem Fall gesehen werden.

Tintentränen

Von
Iris Krumbiegel

Klappentext

Das ist meine Geschichte, die von Martin Bauer, dem Altenpfleger aus Dresden. In ihr möchte ich euch erzählen, wie ich nach dem Tod meiner Eltern meine an Demenz erkrankte Oma pflegte und gleichzeitig in einem Altenheim arbeitete. Davon, wie ich von der Pegida erfuhr und an dem ersten Montagsspaziergang teilnahm. Ihr sollt erfahren, dass ich Ayla, eine Muslime, kennenlernte und mich in sie verliebte. Außerdem müsst ihr wissen, wie verzweifelt ich war, als Omas Demenz zunahm und ich von den Behörden, nein, eigentlich von diesem ganzen beschissenen Staat im Stich gelassen wurde. Damals waren es die Patrioten, die mir Halt gaben. Meine Begeisterung für sie wuchs von Tag zu Tag. Als meine Oma starb, Ayla sich von mir abwendete und ich keinen Ausweg mehr sah, nahmen sie mich in ihre Gemeinschaft auf. Ich möchte nicht verleugnen, dass ich dabei ihre rechte Gesinnung nicht sah, oder nicht sehen wollte. Meine Geschichte endet tragisch, eigentlich stand das von Anfang an fest.

Solange es deine Musik gibt, solange wird es uns Juden geben.“

Leo Rosenthal ahnt nicht, was er mit diesenWorten in seiner Tochter Elsa auslöst. Was als kindlicher Versuch beginnt, wird schon bald zum erbitterten Kampf gegen die Nazis. Selbst als Elsa ins Konzentrationslager Dachau kommt, ist es ihre Musik, die für Hoffnung und Freiheit steht.

Bis zu ihrem Tod schweigt Elsa über die Vergangenheit. Martin, ihr Enkel, findet erst dann ihre Aufzeichnungen. Verzweifelt erkennt er, dass es für ihn zu spät ist.

Zusammenfassung

Der Handlungsverlauf teilt sich in zwei Stränge.

Zum einen erleben wir Elsas Geschichte, welche sich im 3. Reich abspielt. Elsa, ein junges, begnadetes, talentiertes Mädchen. Ihr Klavierspiel verzaubert die Menschen. Sogar dem Führer spielt sie vor und obwohl sie Jüdin ist, beeindruckt sie auch diesen. Ein schlichter Kampf zwischen ihr und einer Schulfreundin entsteht. Erniedrigungen muss sie wegen ihrer Herkunft, ihres unreinen, jüdischen Blutes ertragen. Trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie findet einen Freund, in der Not ihrer Stunden und beginnt heimlich die Leben vieler zu retten. Wie viele es waren, erfuhr sie nie richtig, doch sie verhalf unglaublich vielen Menschen zur Flucht und das nur über ihre Musik.

Bis sie selbst ins Visier der Nazis gerät. Der schmerzhafte Abschied von ihren Eltern, das Verstecken, die Flucht, bis sie doch das KZ in Dachau erreicht.

Die zweite Handlung.

Martin Bauer, ein junger Altenpfleger. Er kämpft um die Pflege seiner Großmutter, arbeitet in einem Altenheim, umsorgt streng nach Ablauf die Patienten. Seine Eltern starben bei einem Verkehrsunfall und nun kümmert er sich liebevoll um seine Großmutter.

Er führt einen einsamen Krieg, gegen Behörden, die Krankenversicherung, Pflegestellen und erkennt wie schrecklich diese Maschinerie ist. Dann verlässt ihn noch seine Freundin. Schnell triftet er ab. Der einzige Mensch bleibt seine Oma. Diese aber wird schwer krank, muss in ein Krankenhaus. Wieder und immer wieder scheint er gegen die Mühlen des Systems zu kämpfen. Bis ihn ein paar Rechtsradikale Halt bieten. Doch in der Arbeit lernt er Ayla kennen, eine junge Türkin, welche an seiner Seite arbeitet, ihm Freundschaft und eine süße Liebe bietet. Martin ist hin und hergerissen, zwischen der Oma, diesen merkwürdigen Freunden, seinem Leben.

Mein Fazit

Bereits vor einiger Zeit schrieb ich, dass es kaum ein Buch schafft, mich zu Tränen zu rühren. Nun, Iris Krumbiegel brachte mich mehrfach zum Weinen. Kaum ein Roman bewerkstelligte es mich so tief zu berühren, wie ihres.

Es handelt sich dabei nicht um eine schlichte Erzählung, eine Liebesgeschichte oder einen langgezogenen historischen Roman. Nein – die Autorin greift das Geschehen des 3. Reiches auf, erzählt fesselnd die Geschichte von Elsa und man leidet mit dem jungen Martin Bauer mit. Entsetzt verstand ich unser marodes Pflegesystem, erkannte, welch harte Arbeiten das Personal täglich verrichtet. Nebenbei las man den Kampf von Elsa, wie sie ihr Leben für andere riskierte, ihres sowie das ihrer Familie aufs Spiel setzte. Auch wenn diese Geschichte tragisch endet. So hoffte ich die ganze Zeit – während ich es las, dass dieses Buch einfach nie aufhören würde. Stunden über Stunden hätte ich ihreZeilen in mich aufnehmen können.

Es ist keine Erzählung, die man mal schnell verschlingt. Ich weiß, dass heute viele eine rasante Geschichte wünschen, aber bei Tintentränen muss man gelegentlich das Buch zur Seite legen und inne halten. Die kleine, süße Elsa, wie sie mit ihrer Musik verschwimmt, halt darin findet. Wie Martin unter dem Druck des Systems zerbricht.

Normaler Weise, lege ich meinen Lesern ja gerne ein Buch ans Herz. Doch dieses hier muss meiner Ansicht nach gelesen werden.

Wieso? Es zeigt unverblümt auf was uns erwartet. Unsere gesellschaftlichen Zwänge, Strukturen, Profit, Gewinnmaximierung, unser Streben nach Wohlstand. Die Autoren erklärt was danach passiert. Wenn wir einmal alt, ungebraucht, krank, gebrechlich sind. Sie beschreibt den einsamen Weg der Alten, das Leben in Heimen und wie das wenige Personal um die einsamen Menschen kämpft, dabei selbst ins Abseits der Erfolgreichen gerät und vergessen wird. Das Thema Altenpflege und Alter wird tot geschwiegen. Denn keiner möchte sehen, wissen, erkennen was uns dann blüht. Wir bekommen kaum Kinder, träumen von Reisen, Prestige,  Karrieren. Doch an diesen vergessenen Orten kämpfen sie um das Leben der Vergessenen.

5 Sterne
– absolut berechtigt und verdient

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