“Sie müssen posten…” Werbung

Nachdem ich letztes Jahr das Buch „Nila“ von Mark Krüger förmlich inhalierte, konnte es doch einfach kein Fehler sein, seinen so angepriesenen Ratgeber zu kaufen. Für 6,99€ erwarb ich dieses Heftchen bei Amazon und starrte es nach dem Erhalt entsetzt an. Sogar die kleinen Zeitungen der Zeugen Jehova, welche gelegentlich in meinem Briefkasten landen und kostenlos sind, haben mehr Text, als dieses Heftchen.

Nun denn, es stammte aber von Mark Krüger und ich mochte seinen ersten Roman sehr. Also konnte ich das Lesen kaum erwarten. Doch hier erst einmal ein paar Fakten zum Buch.

„Sie müssen posten Herr Krüger!“


Buchinformationen:

Taschenbuch: 92 Seiten

Verlag: tredition (17. November 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3734569192

ISBN-13: 978-3734569197

Klappentext:

Posten, liken und nerven. Selfpublisher haben es schwer auf dem deutschen Buchmarkt. Doch mit etwas Geduld, Durchhaltevermögen und den richtigen Tricks, kann man erfolgreich sein. Wie das funktioniert, erklärt Mark Krüger in diesem etwas „anderem“ Ratgeber. Selbstironisch, humorvoll, sarkastisch und mitunter etwas frech, beschreibt er seinen Alltag als Schriftsteller und Selfpublisher im ersten Teil seiner Reihe „Guten Tag, Herr Krüger“.

Zusammenfassung:

Herr Krüger beschreibt am Anfang eine Szene wie er einem Verleger gegenübersteht, besser gesagt, seiner eventuellen zukünftigen Verlegerin. Ein hochnäsiger verbaler Ausrutscher bringt ihn in eine missliche Lage. Das Werk scheint insgesamt seinem Leben (dem des Autors) entsprungen zu sein, jedoch gibt es keinerlei Informationen zu seinem Buchprojekt oder auch dem Gespräch zur Verlegerin, weshalb er ja eigentlich bei der Dame war. Nur die Tatsache, dass der Autor knapp bei Kasse ist und sich vor der Bestellung der Verlegerin im Restaurant fürchtet.

Anschließend stellt er seine persönlichen 20 Goldenen Regeln für Selfpublisher auf. Vom Ort des Schreibens, Blogger, Blogtouren (wurde im Buch permanent falsch geschrieben) sowie Eheberatung ist alles in diesem Heftchen zu finden. Eine Danksagung findet man am Ende ebenfalls.

Zum Cover: Immerhin ist es einfallsreich gestaltet und der Autor lässt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Hosen runter. Der Gesichtsausdruck sagt mir nicht zu, da es einfach unecht wirkt, aber nicht jeder Autor ist ein geborener Schauspieler, deshalb möchte ich es Herrn Krüger nicht ankreiden.

Fazit:

Neben Unmengen an Fehlern scheint die Anfangsgeschichte, die man bereits in der Leseprobe lesen kann, sehr unterhaltsam. Bedauerlicher Weise fehlt es ihr an Inhalt und stellt schlicht und ergreifend nur eine persönliche Selbstdarstellung dar. Man könnte Anfangs glauben, dass er ein Beispiel anbringen möchte, wie es einem Autor in einer solchen Situation gehen könnte, jedoch erklärt er nur, dass er pleite und aufgeregt ist. Es besitzt für einen kleinen Ratgeber absolut keinen informativen Inhalt. Dies hätte er wenigstens mit aufschlussreichen Informationen ausstatten können. Auch seine angeblichen „20 Goldenen Regeln“ haben nicht viel Brauchbares nachzuweisen. Eher glänzt dieses Werk, durch eine überzogen humoristische Selbstdarstellung, die für 6,99€ zu teuer ist.

Hier ein paar Beispiele:

Regel Nr. 1: Lest was das Zeug hält

Er hätte diesen Rat wohl selbst mal einhalten sollen, da im Laufe des Büchleins ein Chatverlauf kommt, den  er in der wörtlichen Rede darstellt, obwohl bereits bei Shades of Grey (er fotografiert sich gern selbst mit dem Roman und es befindet sich auch zwischen dem Stapel am Fußende seines Covers), gezeigt wird, wie man einen Chatverlauf schriftstellerisch darstellen kann. Auch im Verlauf seines Werkes beklagt er sich über Recherchearbeiten zu Buchmarketing. Er jammert unaufhaltsam, ob er je einen Artikel darüber gelesen hat – mag ich bezweifeln.

Regel Nr. 2: Sprecht ein gutes Deutsch

Schreiben und Grundlagen der Grammatik wären ebenfalls sehr hilfreich, nur ein kleiner Einwand von meiner Seite.

Nr. 6: Vermeidet Wiederholungen

Da frage ich mich, warum insbesondere am Anfang, so viele davon vorkamen?

Regel Nr. 7: Korrigiert nur einmal, aber genau

Hier ein dickes Veto: Zwar arbeiten in dem Fall viele Autoren unterschiedlich, jedoch sollte man wirklich nie, nur einmal über sein Buch schauen. Profiautoren erklärten mir (man findet diesbezüglich auch kostenlose Tipps im Internet), dass man sich Zeit lassen solle. Wenn man ein Buch fertig gestellt hat, dann müsse es ein paar Wochen, gar Monate, in der Schublade liegen bleiben, bis man einen gesunden Abstand gewinnen konnte, um daran erneut zu arbeiten. Erst nach mehreren Durchgängen und Überarbeitungen sollte es das Licht der Welt erblicken.

Regel Nr. 13: Organisiert Euch eine Blog Tour

Herr Krüger nahm an einer Blogtour teil, deshalb sollte er wissen wie man diese schreibt. Zumindest ein Bindestrich wäre da richtiger gewesen. Das Thema Buchblog beschreibt er vollkommen falsch und auch der Sinn und Zweck einer Tour erstickte in der Selbstdarstellung seiner Person.

Nachdem ich nun aber nicht das ganze Buch auseinander nehmen möchte und mich schon nach 30 Seiten langweilte (gut, dass es nur 86 hat), da dieser gepresste Witz mir auf den Geist ging, dieses Heftchen keinerlei informativen Inhalt besitzt, höre ich besser auf. Letzten Endes bleibt es eine überzeichnete Selbstdarstellung eines Autors, welcher unbedingt ins Rampenlicht möchte. Persönlich glaube ich eher, dass dieses Minibüchlein ein Witz ist. Vielleicht erreicht es Selfpublisher die den Ruf des Selbstverlags eh beschmutzen, denn mein Buch von Buchbloggern lektorieren zu lassen wäre fatal. Vor allem nachdem Autoren schon in manchen Foren fordern, dass auch Blogger wenigstens halbwegs fehlerfrei schreiben müssten.

Leider wurde ich von Herrn Krüger enttäuscht. Nachdem ich seine „Nila“ wirklich liebte, bin ich entsetzt. Womöglich hätte er doch wieder zu dem Lehrer greifen sollen, der seinen ersten Roman lektorierte. Denn in diesem Minibuch befinden sich mehr Fehler, als in seinem ersten Roman.

Außerdem droht er bereits im Klappentext, dass es eine Reihe werden soll! Ach herrje, aber dafür werde ich gewiss kein Geld mehr ausgeben.

Cover: 4 Sterne

Idee: 3 Sterne (Immerhin war der Gedanke nicht übel. Selfpublishing mal aus einer anderen Sicht zu erläutern)

Umsetzung: 1 Stern (Leider blieb der Gedanke, nur ein Gedanke)

Charaktere: 1 Stern (Es wurde mir zu viel Mark Krüger)

Stil: 1 Stern (Es wäre hilfreich, wenn er sich an seine Regeln halten würde)

 

Das ergibt eine Durchschnittsbewertung von:

2 Sternen

Ja, ich wurde maßlos enttäuscht.

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