Rezension-Werbung Dragonerkind

Dragonerkind

Karola Briese

Vielen Dank für die Zusendung des Buches an den A-Verlag. Dieser ließ mir den historischen Roman vor einigen Wochen zukommen, damit ich diesen rezensiere und bewerte.

Zusammenfassung:

Jean Malparnasse aus dem französischen Dorf Montmilcent, wird von seinem Vater Jacques Malparnasse nach einem strengen Winter in die Dienste eines Leutnants verkauft.

Der kleine Jean wird von seinem Vater als vierzehnjähriger ausgegeben, obwohl er gerade einmal zwölf Jahre alt ist. Der schüchterne Knabe stellt sich als recht gescheit heraus und seine Gabe, mit Pferden umzugehen, verschafft ihm die Stelle bei Philippe de Belsac, Leutnant der Kompanie de Marbellot. Philippe de Belsac ist ein kluger, junger Dragoner. Mit seinen Anfang zwanzig liest dieser gern, bildet sich unentwegt weiter und gilt als sehr großherzig. Zwischen den beiden wächst eine tiefe Verbundenheit, die sie einige Abenteuer bestehen lässt.

Jean ist ein sehr kluger, wissbegieriger Junge, der seine Dienste hervorragend ausführt und durch Philippe eine Chance erhält, die zu der Zeit kaum jemand aus seinem Stande erfahren durfte. Er erlernt das Lesen, das Schreiben, das Rechnen und aufgrund seiner Knabenstimme erlernt er die Liturgischen Gesänge. Doch die strenge Erziehung seines Vaters, die vielen Schläge und Misshandlungen aus seiner frühen Kindheit verfolgen den Knaben unentwegt.

Philippe de Belsac kommt aus dem Elsass, aus einfachen adligen Verhältnissen, und bekam von einem Lehrer bereits in Kindertagen Unterricht. Somit gibt er dieses Wissen an seinen Schützling weiter. Nebst den Aufgaben als Leutnant der Dragoner kümmert er sich herzergreifend um seinen Knecht.

Der Roman spielt im Jahre 1758 n.Chr. mitten im Siebenjährigen Krieg, der teilweise bereits als Weltkrieg definiert wird. Im Werk von Karola Briese stehen die Kämpfe zwischen Frankreich und Preußen an erster Stelle. Nebst ein paar Geschichten über die Kämpfe zwischen Schottland und England. Anfangs steht ein Komplott im Vordergrund, doch der Krieg verhindert, dass dieses erst einmal aufgelöst werden kann. Der Leser findet sich in der Barockzeit wieder, viele Erfindungen und gesellschaftliche Änderungen stehen an, doch der Krieg bleibt Mittelpunkt des Werkes. Die Reise eines Heeres, die christlichen Gepflogenheiten und natürlich die Intrigen des französischen Königshauses.

Meine persönlichen Empfindungen:

Erst einmal kam ich schwer rein in dieses Buch. Obwohl der Anfang der Geschichte vielversprechend klang, empfand ich es als verworren. Man erlebt den kleinen zwölfjährigen Jean, der von seinem Vater verprügelt wird, nachdem er Milch verschüttet hatte. Die Armut der Familie und wie eines Morgens seine kleine Schwester erfroren auf dem Boden liegt. Man erlebt Jeans Gedanken über die bereits gestorbenen Geschwister und den Entschluss seines Vaters, welcher ihn in die Dienste eines Soldaten stellen lässt. Soweit ganz gut, all das gefiel mir wirklich und ich freute mich darauf weiter zu lesen.

Philippe de Belsac, der verletzt aus dem Krieg kam und gerade pausierte, nimmt sich des kleinen Jean an. Nachdem Jean mit Philippes großem Hengst hervorragend harmoniert, übernimmt Philippe die Verantwortung für seinen kleinen Knecht. Er kleidet ihn neu ein, hilft ihm, steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. An der Beziehung der beiden störte ich mich. Sie war mir oftmals zu innig und vor allem für diese Zeit doch zu herzergreifend. Auch dass der kleine Jean sich nach dem ersten Kampf schmerzhaft verletzt, wird schnell unter den Tisch gekehrt und mir fehlte es einfach am Feeling. Das Gefühl mich im Jahre 1758 n.Chr. zu befinden, stellte sich einfach nicht ein. Dadurch zog sich der Roman endlos in die Länge. Dinge wie dass der kleine Jean binnen drei Tagen Schreiben und Lesen lernt, die ständigen monotonen Unterrichtseinheiten oder Erläuterungen von Philippe ließen mich an dieser Geschichte zweifeln. Es gefiel mir schlicht und ergreifend nicht.

Dem Buch fehlt es eindeutig an Emotionen.

Bis auf die zu tiefgehende Beziehung zwischen dem Leutnant und seinem Knecht gab es keine Gefühle. Klar, auch Freunde besitzt er, aber das wird eher flach abgehandelt.

Ein weiterer Punkt, der mir nicht passte, waren die Kämpfe. Sie werden wie Choreografien beschrieben, ohne Geräusche, reine stumme Kampfhandlungen. Geht, kann man machen, aber auch dies ist nicht mein Fall.

Dann die Sache mit den Gravitationsgesetzen von Herrn Newton. In einem ganzen Kapitel entsteht eine Abhandlung darüber und daraus folgt, dass Philippe an einem Billardspiel teilnimmt, das er aufgrund dieses Wissens gewinnt. In Zukunft frage ich einmal, ob alle Physiker super beim Billard sind. Ich wage diesen Fakt einfach mal zu bezweifeln. Später tauchen noch Grundlagen der Mathematik auf, unter anderem der Satz des Pythagoras.

Zumindest zerstören diese vielen Unterrichtseinheiten die Spannung und dadurch wurde es zäh. Die 97 Erläuterungen und Erklärungen bei den Fußnoten brauchte ich nicht, plus das Glossar sowie die Liedtexte am Ende.

Letzten Endes zerstören hier die zahlreichen Belehrungen und Unterrichteinheiten sowie die mangelnden Gerüche, Geräusche, typischen Eigenschaften der Epoche für mich den Spannungsbogen.

Um jetzt nicht zu negativ zu werden. Die Sprache der Autorin ist sehr gewählt und passend für die Epoche. Sehr gelungen, fand ich den Einsatz diverser Sprachen und Dialekte. Das Hessische brachte mich zum Schmunzeln und genau diese Dinge ließen mich durchhalten. Außerdem wollte ich Philippes Geheimnis ergründen, welches er mit sich schleppt.

Nun zu den historischen Sachen:

Ich habe jede Unterrichtseinheit und Schlacht gegooglet. Fangen wir bei einer kurzen Sache an. Das Reiten von Pferden ohne Hufeisen geht ohne Probleme. Die wissenschaftlichen Errungenschaften waren richtig.

Freund von Philippe – Antoine – schlägt vor, dass man aus Jean, der eine ausgezeichnete Knabenstimme besitzt, einen Kastraten zu machen. Fakt ist: Die Franzosen lehnten das kategorisch ab. Diese Aussage hätte eher noch von einem Deutschen oder Österreicher kommen können, da die dies von den Italienern übernahmen. Haydn wäre hier ein schönes Beispiel, dessen Vater diese OP verhinderte.

Nebenbei muss der kleine Jean noch die liturgischen Gesänge lernen. (Alles in einem Zeitraum von weniger als 7 Monaten.)

Philippe bringt den Spruch, dass sein Jean quasi einem Lotteriegewinn gleicht:

Historischer Hintergrund ist da fraglich. Da die Lotterie aus England kam und über Holland sich erst Ende des 18. Jhd. durchsetze.

Die Freimaurer durften auch nicht fehlen:

Philippe wünscht sich, dass er zu den Freimaurern darf. Über einen Bekannten scheint er da auch Kontakte zu besitzen. In Deutschland trifft er sogar auf diese. Aber der Fehler befindet sich im Detail. Er wird eines Nachts dann abgeholt und zu einem Treffen geführt. Soweit so gut. Es wird aber auch von den Logen gesprochen. Die erste Französische Loge entstand aber erst 15 Jahre später. Hier können wir uns gern streiten, ob es vielleicht schon kleinere Gruppierungen gab. Wären dann aber die Templer nicht besser gewesen?

Charakterbildung:

Jean ist eindeutig nicht auf dem Stand, welcher seinem Alter entspricht. Manchmal zu schlau, dann wieder extrem unterwürfig und wieder frech. So schnell lernt keiner lesen, schreiben oder rechnen wie er.

Philippe. Der Protagonist.

Er ist Anfang zwanzig, bereits ein Kriegsheld, sehr belesen und für die damalige Zeit sehr aufgeklärt. Doch dann verschwimmen die beiden miteinander und man bekommt das Gefühl, dass manchmal Jean der Ältere ist. Am Ende kristallisiert sich eine Vater-Sohn-Verbindung heraus, die ich eher fraglich finde. Lehrer-Schüler wäre da wohl besser, wenn diese vielen Näherungen nicht wären.

Oft verfällt der junge Leutnant der Schwermut und der Leser möchte hier erfahren, was die Ursache dafür ist. Alpträume plagen ihn und auch die Freimaurer geben ihm die Aufgabe, sein Innerstes zu ergründen. Was es damit auf sich hat, muss man selbst herausfinden. Leider beruht darauf der ganze Spannungsbogen und ich empfand das etwas zu dürftig.

Fazit in Kurzform:

Cover: 3 Sterne (Ich hätte es mir nicht gekauft und man weiß ja, dass ich zu Coverkäufen neige.)

Idee: 5 Sterne (1758 n.Chr. einen Knecht und einen Leutnant zu erleben klang wirklich interessant.)

Inhalt: 2 Sterne (Manchmal musste ich an Kinderbücher aus der Schulzeit denken. Etwas weniger Lehrer hätte dem Buch nicht geschadet, dafür ein bisschen mehr Gefühl für die damalige Zeit wäre mir lieber gewesen.)

Stil: 4 Sterne (Schreibstil ist sauber, da kann man nicht meckern. Doch bei den Dialogen von Jean fiel mir zu oft auf, dass dieser einfach keinem 12jährigen entspricht. Außerdem machte mir dieser belehrende Unterton keinen Spaß.)

Charaktere: 3 Sterne (Mir persönlich zu nah und vor allem Philippe war zu unausgewogen. Mal super intelligent, dann fast heldenhaft und plötzlich wieder Lausbub, frommer Christ und seiner Zeit weit voraus. Die Person hätte für mich persönlich viel mehr Entwicklung erhalten dürfen. So kam er wankelmütig rüber.)

 

Macht im Schnitt: 3,4 Sterne

3 Sterne

für das Dragonerkind

Buchcover

Link zur Verlagsseite: https://www.a-verlag.com/buumlcher.html

 

 

 

 

 

Autor: Steffi Krumbiegel

Autorin und leidenschaftliche Leserin. Auf diesem Blog möchte ich meine Leidenschaft mit anderen teilen. Alles auf diesem Blog dreht sich um Literatur, das Schreiben und natürlich das Lesen.