Kurztrip nach Wien

Autorenwochenende in Wien

Am Wochenende trieb es mich einmal wieder in die Ferne. Wien stand seit längerem auf meinem Plan und das, nur weil Alexander P. Tschirk mich mehrfach einlud. Außerdem wollte ich noch Barbara Drucker und Bruno Möbius treffen, leider schaffte ich Bruno nicht. Nach einem Jahr bekam ich es endlich hin, mir Zeit frei zu schaufeln, und fuhr mal schnell von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag nach Wien.

Die Fahrt dauerte wesentlich länger als gedacht. Denn 130km vor meinem Zielort stand ich im Stau. Ein richtiger Stau, bei dem alles Stand, die Leute auf der Autobahn herum liefen und sich absolut nichts rührte. Ich schrieb Alex an und der empfahl mir OE3 zu hören, um Näheres zu erfahren. Was ich auch tat.

Stau in Österreich

Die Sonne schien, es war zumindest warm, Kaffee duftete aus meiner Mittelkonsole und etwas Schokolade lag auf meinem Beifahrersitz. Eine Dame sprach mich an (mich – die Touristin), ob ich denn wüsste, weshalb wir stehen würden. Also gab ich die Informationen des Radiosenders wieder.

In Deutschland sehen solche Staus anders aus. Jeder zieht ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und starrt missmutig durch die Gegend. Nicht in Österreich. Ein junger Mann lief vor seinem Wagen auf und ab. Er sah mich verzweifelt an. „Das Krankenhaus rief soeben an, meine Frau entbindet gleich und ich verpasse es! Wie lange dauert es noch?“ Gott sei Dank, dass seine Frau nicht im Auto saß, dafür versuchte ich ihn etwas zu beruhigen. „Das kann dauern, das Kind kommt sicherlich erst in ein paar Stunden und sie werden dabei sein Können.“ Der angehende Stammeshalter sollte Kevin heißen und war das erste Kind, des vater-werdenden Mannes. Es ging 500m weiter, bis erneut alles stehen blieb.

Ein Ungar bot mir an, sollte es noch länger dauern, dürfte ich in seinem Hänger übernachten. Dabei handelte es sich um einen sehr netten alten Mann. Neben mir las einer Zeitung und wieder sprach man miteinander. Sollte ich jemals wieder eine Schreibblockade haben, stelle ich mich in einen österreichischen Stau. Das gibt genug Stoff für gute Geschichten.

Lichter der Stadt

Erst im Dunkeln erreichte ich Wien. Die Lichter der Stadt funkelten traumhaft, doch erst musste ich Alex finden. Das Schild EINBAHN (ähnlich wie unsere Einbahnstraße, nur leider war eine Trambahn darunter abgebildet) verunsicherte mich, was mir einen kleinen Schrecken einbrachte. Letzten Endes schaffte ich es zu meinem Gastgeber.

Alexander P. Tschirk und Steffi Krumbiegel

Dieser empfing mich mit seiner Freundin, hatte ein leckeres (veganes) kleines Abendessen für mich und ich lernte Larisa kennen. Umgehend war das Eis gebrochen. Seine Freundin Larisa ist Kunstlehrerin an einem Gymnasium. Anfänglich musste ich mir das etwas andere Schulsystem erklären lassen, da es sich von dem Deutschen unterscheidet. Larisa ist sehr Kunst- und geschichtsinteressiert, sie kennt sich unbeschreiblich gut in Wien aus, was zu meinem persönlichen Glückstreffer wurde.

Rathaus Wien

Denn am nächsten Tag führte uns Larisa quer durch die Altstadt, ich sah viele Kirchen, das Rathaus (ich finde, es sieht ähnlich wie das Münchner aus), die Terrasse wo Sissi stand, eine Filmcrew, die einen Film über die Wirtschaftskrise der 20er Jahren drehte (die Kostüme waren toll), einige Statuen, Plätze, Brunnen und natürlich der H&M durften nicht fehlen. Nur zum Shoppen gingen wir nicht hinein. Man beäugte uns seltsam, als wir die Stuckarbeiten, die Kronleuchter und den historischen Lift begutachtet

Filmaufnahmen

en.

Die Michaelerkirche in der Mozart sein Requiem zum ersten Mal spielte, die Minoritenkirche (eine der ältesten) in der eine Marienstatue aus dem 14. Jhd. stand und den Stephansdom. Gelaufen sind wir über 10 km, durch die Stadt und am späten Nachmittag traf ich Barbara Drucker.

Autorin Barbara Drucker
Barbara Drucker und ich

Wir waren im Café Central verabredet, ich wunderte mich, da sich dort eine lange Schlange davor bildete. Was dort scheinbar normal ist. Barbara und ich fanden uns direkt vor dem Café und auch zwischen uns beiden gab es umgehend eine Verbundenheit. Womöglich liegt es am Schreiben oder an den vielen Chats, es gab wirklich keinen Moment, bei dem wir uns nichts zu sagen hatten. Barbara Drucker ist eine sehr intelligente Frau, von der ich extrem viel lernen konnte und sie überraschte mich, mit ihrer beeindruckenden Ausstrahlung.

Ich bestaunte die Torten, welche mit Gold verziert wurden, später lauschten wir Klaviermusik und sprachen unaufhaltsam über Projekte, Ideen, unsere Leben. Gerne werde ich ihr Angebot annehmen, dass ich mir einmal einige Schauplätze aus ihren Büchern ansehen darf. Das wird sicherlich eine Stadtführung der besonderen Art, obwohl ich diese bereits durch Larisa bekam.

Natürlich kam auch mein Versicherungsmensch hervor. Nachdem letztes Jahr in unserer Presse geschrieben wurde, dass die Österreicher 40% mehr Rente (man nennt es dort Pension) bekommen, löcherte ich Alex auch diesbezüglich. Wir stellten fest, dass trotz des höheren Rentenbeitrags, der Österreicher 10-20% mehr netto raus bekommt, als in Deutschland. Was an einem wesentlich höheren Steuerfreibetrag, der niedrigen Krankenversicherung liegt und auch des fehlenden Solis sowie Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Da fragt man sich, was man bei uns falsch macht. Nebenbei ist Wien eine sehr soziale und familienfreundliche Stadt. Diese sorgte bereits vor Jahren für einen sozialen Wohnungsbau, bei dem sich die Miete nach dem Einkommen staffelt. Als geplagte Münchnerin erblasste ich ein wenig vor Neid. Auch die Angebote sind toll. Es gibt Stadtfeste, die kostenlos sind, der Eintritt in den Freizeitpark ist gratis, am ersten Sonntag im Monat ist das Stadtmuseum vom Eintritt befreit. Da fährt man ein wenig frustriert nach Hause. Na ja und über die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel brauche ich auch nicht zu schreiben, da scheint München Spitzenreiter zu sein, wie in vielen anderen Bereichen auch. (Obwohl München von der SPD regiert wird.)

Stadtmuseum Wien
Künstliche Ruine im Schlosspark Schönbrunn

Der Sonntagvormittag begann mit einem frühen Frühstück und natürlich nutzten wir den freien Eintritt im Wiener Stadtmuseum. Dort erfuhr ich viel über die Belagerungen Wiens, durch die Osmanen. Der ersten Ernennung um 800 n. Chr. und im oberen Stockwerk gab es viel Kunst zu bestaunen. Alex ist ein absoluter Klimt Fan. Max Merkel, ebenfalls Wiener Maler, konnte mich nicht überzeugen, dafür entdeckten wir Ferdinand Georg Waldmüller, der uns mit seinen Bildern begeisterte. Diese zeigen das Leben der Bürgerlichen im frühen 19. Jhd. und stellen das wahre Leben der damaligen Zeit dar.

Dafür fand ich die Porträts von Sissi und Franz schön. Was wohl daran liegt, dass meine Mutter mich seit Jahrzehnten, um die Weihnachtszeit, mit diesen Filmen nötigt. In diesem Museum gab es auch richtige Darstellungen der historischen Wohnungen, man konnte in nachgebildete Räumlichkeiten hinein gehen. Dies beeindruckte mich sehr.

Leider war mein Aufenthalt anschließend zu Ende. Glücklich darüber, neue Freunde gefunden zu haben, die Erkenntnis, dass die Menschen hinter ihren Profilen noch beeindruckender sind und das Versprechen bald wieder zu kommen, rundeten meinen Besuch ab.

Bruno Moebius besuche ich beim nächsten Mal!

Und das vegane Essen, schmeckte richtig gut. Auch wenn ich überzeugter Schnitzelfan bleiben werde, trotzdem empfand ich auch diese Erfahrung als Erweiterung meines Horizonts.

Karlskirche (keine Moschee)
Sonnenuhr (Schönbrunn)
Rathaus Wien

 

 

Mein 1. Veganer Burger, lecker und zu viel!

Mal sehen wo meine Reise als nächstes hinführt. Berlin steht auch wieder an und da werde ich auf Jacky treffen. Meine liebe Lektorin und Freundin.

 

Autor: Steffi Krumbiegel

Autorin und leidenschaftliche Leserin. Auf diesem Blog möchte ich meine Leidenschaft mit anderen teilen. Alles auf diesem Blog dreht sich um Literatur, das Schreiben und natürlich das Lesen.