DER FALSCHE HELD Rezension

Mart Schreiber

Mart Schreiber kontaktierte mich über meinen Blog und bat mich freundlich sein Werk einmal unter die Lupe zu nehmen. Neben Job sowie eigener Veröffentlichung, dauerte es ein wenig. Aber nun hier zu meiner Auswertung.
Herr Mart Schreiber ist ein gestandener Herr, welcher mit beiden Beinen im Leben steht. Erst im reifem Alter traute er sich seiner Sehnsucht freien Lauf zu lassen und fing an zu schreiben.
Schnell erfuhr ich, dass Herr Schreiber aus Wien kommt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dieser Stadt habe. Nachdem ich durch die Bettwäsche in einem Hotel, eine schwere allergische Rektion bekam, man mich unfreundlich behandelte und der Freund, mit dem ich dort war, mich kurz darauf betrog. Nun gut, nach dem Buch, würde ich auch niemals die Wiener U-Bahn betreten. Doch wer darauf eine Antwort sucht, muss es lesen.
Es handelt sich in seinem Werk um 4 Kurzgeschichten, die sich alle irgendwie in der Wiener U-Bahn abspielen. Jemand trifft eine geheimnisvolle Frau, ein verlorener Rucksack, eine Schlägerei und ein altes Ehepaar. Immer wieder gibt dieser Ort einen Ansatz für eine weitere Erzählung.
Der Schreibstil von Herrn Schreiber ist sehr erfrischend, er nutzt den Wiener Schmäh um die Dialoge, lebensechter zu gestalten. Seine Erzählkunst wurde mit jeder Geschichte besser, frischer, lesenswerter. Die erste empfand ich noch als recht zäh, doch mit jeder Begebenheit verbesserte er sich.
Was mich ein wenig stört, dass die Storys keine richtige Botschaft besitzen. Zumindest die ersten beiden. Die letzten Geschichten haben es in sich. Wobei ich da auch sagen muss, dass mir da viel fehlte. Bei jedem Ende starrte ich auf die Zeilen, wunderte mich, wollte mehr erfahren. Seine Charaktere bekamen in jeder Episode mehr Individualität. Das gefiel mir. Obwohl ich bereits nach der Ersten, Aufgeben wollte, fand ich seinen Stil so gut, dass ich weiter machte. Was ich nun nicht mehr bereue.Die Erzählung über Pierre, dem einsamen, verirrten Helden oder der alte Mann der seine Frau pflegte. Genau diese beiden Geschichten haben mir imponiert.
Fast ehrfürchtig berichtet er über den alten Mann, welcher sich herzlichst um seine geschätzte, alternde, kranke Frau kümmert. Eine Tagesreise, für zwei Menschen, welche junge nur in wenigen Minuten erledigen, beschreibt er voller Achtung. Der Mann und seine Frau, wie sie ihren 80. Geburtstag feiern wollen, die Sorgen über die Kinder, die in der Ferne leben, die Liebe zu seiner Frau, die den Mann alles überstehen lässt. Sogar die Windeln muss er ihr wechseln. Er überwindet sich, er nimmt sich ihrer an.
Leider endete auch da die Geschichte zu schnell, schon fast schmerzhaft, für mein neugieriges Ich.Lieber Herr Schreiber, bitte … und wenn sie es nur für mich schreiben, ich möchte eine Erweiterung der letzten beiden Erzählungen. Zu meiner Bewertung.
Der Stil ist perfekt, da kann man nur von lernen. Spannungsbögen fehlten mir und auch die Geschichten brauchen noch mehr Sinn oder etwas Neues. Leser wollen aus Büchern etwas mitnehmen, nicht nur informiert werden. Ich konnte in Erfahrung bringen, dass Herr Schreiber sich an einem Krimi versucht. Das wird wohl der erste Krimi werden, den ich freiwillig lese. Bitte nehmt das nicht zur Aufforderung, mir Krimis zu schicken.

Cover: 3/5 (Es passt nicht ganz zu den Erzählungen)
Inhalt: 3/5
Stil: 5/5
Macht für mich 4 Sterne.

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