Rezension Filme fahren

Filme fahren

von Ulrike Melzer

Klappentext lt. Amazon:

Im Jahr 1996 begegnen sich in Berlin sechs Menschen unterschiedlicher Generationen. Die gemeinsame DDR-Vergangenheit wirkt als verbindendes Element zwischen den jeweils sehr speziellen Charakteren, noch wichtiger ist der Wunsch der Protagonisten nach einem selbstbestimmten Leben. Hauptfigur ist die 17jährige Rena, die mit ihren Freunden auf der Suche nach kreativer Selbstverwirklichung und Liebe ist. Der Leser begleitet die Protagonisten bei ihrer Reise durch das Berlin der späten 1990er: Technoclubs und Kreuzberger Bars, WG-Küchen und Lesebühnen, Sekten und Hip-Hop-Jams, verschiedene Subkulturen, Liebeskummer und Drogenerfahrungen, hin zur eigenen Geschichte und Identität. Ob das Leben einem Film gleicht, den wir selbst oder andere für uns drehen, ist die zentrale Frage des Romans.

Produktinformationen:

Format: Kindle Edition

Dateigröße: 606.0 KB

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 236 Seiten

Verlag: neobooks (6. Dezember 2017)

Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

Sprache: Deutsch

ASIN: B0781BZY8W

Zusammenfassung:

Der Leser erlebt das aufregende und tiefgreifende Leben der jungen Rena. Diese bricht aus ihrer gewohnten Umgebung in Erfurt aus und reist in die Weltstadt Berlin. Rena ist ein kluges Mädchen mit einer sehr hohen Beobachtungsgabe, gepaart mit dem starken Drang nach Freiheit. Die Autorin nimmt es mit einer Generation auf, die eigentlich ungewöhnlich ist, denn es handelt sich um eine Jugendliche die noch einen Teil der DDR erlebt hatte und dann mit der neuen Freiheit so ganz eigene Erfahrungen sammelt. Sie trifft auf neue Freunde, Menschen unterschiedlicher Altersstrukturen und ganz eigener Weltansichten, Lebenserfahrungen und Identitätsproblemen. Rena nimmt alles in sich auf, lernt, befasst sich mit den seltsamen eigenen Universen der Menschen. Filme fahren lautet der Titel und darum handelt es sich auch. Jeder Mensch fährt oder durchlebt seinen eigenen Film, sein Leben, die Begegnungen, Erfahrungen, Lebensabschnitte gleichen einem individuellen Film, den nur jeder für sich selbst erfährt.

Rena taucht ein, in die Stadt Berlin. Das Buch spielt im Jahr 1996-2001. Der Mauerfall, die Stasigeschichten, das bunte Treiben der Stadt, die Technoszene und der schnelle Wandel in dieser Zeit durchlebt der Leser an Renas Seite.

Fazit:

Die Autorin benutzt einen sehr eigenen Schreibstil. Das Buch weißt einige Fehler auf, aber mit der Geschichte verzeihe ich vieles. Der Stil von Ulrike Melzer gefiel mir sehr gut und auch die Geschichte von Rena wollte von mir gelesen werden. Was daran liegt, das Rena so ziemlich meinem Alter entspricht und ich ebenfalls noch meine ersten Jahre in der DDR erlebt habe.

Deshalb konnte ich es kaum erwarten dieses Buch in die Finger zu bekommen. Auch wenn natürlich Rena alles anders erfährt, so fand ich es absolut spannend.

Das Buch ist schon fast philosophisch, denn die Autorin setzt sich sehr stark mit den Lebenden nach dem Mauerfall auseinander. Ein Teil handelt darüber, ob man nun seine eigene Stasiakte einsehen möchte oder eben nicht. Einer meinte, dass man diese alten Geschichten ruhen lassen solle und verzeihen müsse. Hingegen ein anderer glaubt, dass er es für sich wissen musste, wer ihn ausspioniert hatte. Auch das Thema Freiheit nimmt Ulrike Melzer gekonnt auf. Einmal die Freiheit des Geistes und wie es ist, wenn Menschen die jahrelang eingesperrt waren, plötzlich unterschiedlich mit diesem neuen Gefühl zurechtkamen. Manche überforderte es, andere flippten aus und den nächsten machte es nichts aus. Sie schwammen einfach mit. So stellt auch die Autorin sehr viele unterschiedliche Charaktere in ihrem Roman vor. Vom Pfarrer, einer Sekte, Studenten, Künstler, einem Sozialarbeiter, bis hin zu einer angehenden erfolgreichen Musikerin.

Die Tiefe, die Geschichte und die Protagonisten lassen mich über einige Handlungssprünge hinweg sehen. Manchmal wünschte ich mir mehr Beschreibungen, dann fehlten mir Details, dennoch ist es ein Buch was man ruhig lesen sollte.

Die Beschreibungen über das Berliner Leben fand ich unglaublich gelungen, wie Rena nachts durch die Straßen läuft oder die seltsamen Bars in der Zeit. Es ist das Berlin, was viele lieben und was genau diese Stadt ausmacht. Wie Rena mitgerissen wird, vom Strom der Menschen, wie sie sich dann doch manchmal nach der Beständigkeit ihres Elternhauses sehnte.

Und dann verliebt sie sich in ihren Seelenverwandten, der viele Jahre älter ist und selbst eine Familie besitzt. Wie diese erste große Liebe verläuft, verrate ich an diesem Punkt nicht.

Die Rezension in Kurzform:

Cover: 3 Sterne (Es überzeugt mich nicht wirklich.)

Idee: 5 Sterne (Urbane Odyssee zur eigenen Identität und das in Berlin nach der Wende? Mag ich!)

Stil: 4 Sterne (Der Schreibstil ist toll und hat nur ein paar kleine Ecken.)

Umsetzung: 3 Sterne (Das ist aber meine Ansicht dazu. Hätte unter anderem gern etwas mehr Dialekt in den vielen Dialogen gehabt. )

Charaktere:  5 Sterne (Fand ich wirklich sehr gelungen.)

Macht auf die Kommastelle genau: 4 Sterne

 

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Autor: Steffi Krumbiegel

Autorin und leidenschaftliche Leserin. Auf diesem Blog möchte ich meine Leidenschaft mit anderen teilen. Alles auf diesem Blog dreht sich um Literatur, das Schreiben und natürlich das Lesen.

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