Rainer Mauelshagen Autor

Lieber Rainer,

nachdem ich die ersten Seiten deines Buches las, tauchten Tausende Fragen bei mir auf. Deshalb würde ich gern ein Interview mit dir durchführen wollen.

Du zogst mich förmlich in Deinen Roman hinein, malst wie ein alter Künstler mit Worten – Geschichten. Bereits nach den ersten Seiten hattest Du mich vollkommen überzeugt. Thomas Hardy tauchte in meinen Gedanken auf, denn auch seine Erzählungen zogen mich in ihren Bann, zeigten mir eine andere Zeit und eine einmalige Story.

 

Rainer, würdest du Dich bitte erst einmal vorstellen?

Mein Name ist Rainer Mauelshagen und ich wurde im März 1949 geboren. Meine Kindheit und Jugendzeit verbrachte ich in Wuppertal. 1984 zog ich von dort nach Vettelschoß, einer bodenständigen Gemeinde, die im nördlichsten Zipfel von Rheinland – Pfalz liegt. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Nach Ausübung verschiedener Berufe widme ich mich seit einigen Jahren ganz der Literatur und hier vor allem dem kreativen Schreiben. Mit „Das Kastanienherz“ und „Herr Jonas erwartet Besuch“, sind inzwischen zwei Romane von mir veröffentlicht worden.

Wie kamst du auf die Idee, ein Buch zu schreiben? Was war dein Antrieb?

Sicherlich geht es einigen Bücherlesern so, das sie insbesondere von einem Schriftsteller sehr angetan sind, weil er sie mit seinen Texten dermaßen inspiriert, dass seine Stimme beinahe zur eigenen wird. So erging es mir vor Jahren mit dem Schriftsteller und Chronisten Walter Kempowski, dessen Werk mich mental nicht mehr losgelassen hat. Nach einem Literatur-Work-Shop in seinem Hause in Nartum habe ich voller Motivation den Versuch gestartet, meine ganz persönliche Stimme in literarischer Form zu verarbeiten.

Deine Geschichte klingt so emotional und persönlich, was steckt von Dir da drin?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass jeder, der sich kreativ betätigt, ein „Stück“ Persönlichkeit in seinem Werk hinterlässt. Und ich denke gerade bei dem Medium Buch ist die individuelle Eigenart des künstlerisch Schaffenden am ehesten zu erkennen, weil beim Schreiben unwillkürlich eigene Erlebnisse, Gefühlslagen und Erfahrungen zu Wort kommen, die man versucht in hübsche und spannende und vielleicht auch lehrreiche Geschichten zu verpacken.

Woher kommt Deine Begeisterung für die Sprache?

Leider muss ich in der heutigen Zeit feststellen, dass die Sprache, wenn überhaupt, oft nur noch als ein notwendiges und manchmal auch lästiges Kommunikationsmittel angesehen wird, dass nicht selten mit Emoticons-Symbolen zu vergleichen ist. Grundsätzlich will ich damit sagen, dass Sprache ein hohes Gut für den Menschen ist, weil er sich damit nicht nur verständlich machen kann, sondern weil er damit auch Gefühle ausdrücken kann. Ganz abgesehen davon das nach der Schöpfungsgeschichte der Bibel das Wort am Anfang stand! „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ (Joh 1,1-3)

Liest du gerne und wenn ja, was?

Erst einmal möchte ich mit JA! Antworten. Hier einzelne Bücher oder Autoren aufzuzählen, ginge zu weit. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir meinen Lesestoff nicht in erster Linie danach aussuche, dass ich gut unterhalten werde, sondern danach, das ich am Ende eines Buches angekommen etwas „schlauer“ geworden bin. Soll heißen, ein gutes Buch ist für mich wie ein Lehrmittel, durch das ich in der Schule des Lebens wieder ein Stückchen mehr zur Reife gelange. Dabei helfen mit vor allem die großen Literaten der Zeitgeschichte und hier insbesondere auch die der jüngsten Vergangenheit, die man unter anderem auch mit der „Gruppe 47“ bezeichnen kann. Aber ebenfalls Lyrik und Autobiografien liegen mir sehr am Herzen.

Du schreibst Zeitübergreifend. Dein Roman beschreibt eine Zeitspanne von 1880 bis heute. Woher nahmst du die vielen Details her?

Ich habe so etwas wie ein fotografisches Gedächtnis, in dem sich all die markanten Begebenheiten meines Lebens, also die aus dem privaten Bereich, aus der Politik und der Gesellschaft allgemein trotz meines Alters immer noch abrufbar abgespeichert haben. Wenn es darum geht, geschichtliche oder andre Fakten in meine frei erfundenen Geschichten „einzubauen“, dann greife ich natürlich auch in mein Bücherregal um mich in diversen Chroniken zu vergewissern, ob meine Erinnerungen nicht über die Jahre gelitten haben. Das nennt man wohl Recherche, bei der mir natürlich auch die modernen Medien wie zum Beispiel Wikipedia helfen. Ansonsten muss man als Schreiberling immer mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich vor allem für Menschen und deren Lebensgeschichten interessieren und sich dabei immer fragen, warum sie dann und wann so handeln, wie sie handeln.

Du gehörst für mich zu den wenigen richtigen Literaten dieser Zeit. Wie schaust du auf die Buchwelt der heutigen Zeit? Haben Literaten noch eine Chance?

Diese Höflichkeit klingt für mich irritierend, weil ich als unbekannter Autor bisher eine sehr geringe Resonanz auf meine Romane erhalten habe. „Richtige Literaten“, erheben aus meiner Sicht betrachtet für sich den Anspruch längst Anerkennung gefunden und Preise erhalten zu haben. Wenn Du meinen Schreibstil voranschickst, dann fühle ich mich zugegebenermaßen ehrlich geehrt. Aber ich habe die Frage nach meiner Begeisterung für Sprache in gewisser weise schon beantwortet. Ich liebe Literaten die Sprache quasi in Musik verwandeln, dass man ein Buch nicht nur lesen, sondern wie ein Ouvertüre anhören kann. Und hier sehe ich den Knackpunkt nicht nur in der heutigen Schriftstellerei. Fast bin ich geneigt, Fast Food als Überschrift zu setzen. Schnell zu konsumieren und leicht verdaulich muss es sein und immer unter dem Motto: Ich muss weg, ich hab keine Zeit! Darum sind wohl auch die E-Bücher solch ein großer Erfolg geworden. Wischen ist angesagt! Mit der Hand die Zeit wegwischen, aber was bleibt übrig. Was bleibt übrig vom Menschsein, wenn uns Computer das Leben diktieren? Diese Frage stelle ich nur mal so in den Raum. Paradoxerweise in den digitalen Raum!

Wie sehen Deine literarischen Pläne für Deine Zukunft aus?

Ich hoffe das mir noch einige Zeit bleibt, um die vielen Menschen ins Leben zu schreiben, die sich in meinen Kopf tummeln und nur darauf warten, dass ich gerade ihre Geschichte erzähle. In Arbeit sind zurzeit zwei Romane, wovon ich einen noch gerne vor Weihnachten veröffentlichen möchte. Ansonsten wünsche ich mir interessierte Leser zu finden, die sich auf meine Sprache und meinen Schreibstil einlassen wollen und vielleicht am Ende auch mögen. Letztendlich wäre es schön, wenn es viele würden, aber die Prämisse lautet für mich: und wenn es nur eine oder einer ist dem meine Geschichte gefällt, ist es doch so als habe man eine Freundin einen Freund gefunden. Vielleicht ist diese Prämisse auch ein schöner Schlusssatz, oder?

Nun bedanke ich mich herzlich für Dein Interesse an meine literarische Arbeit als solche und an meine Person insbesondere und ich wünsche Dir für Deine Bücher und für Deine journalistische Tätigkeit viel Erfolg und für Dich persönlich alles Liebe und Gute. Rainer Mauelshagen (Autor)

Zum Schluss möchte ich mich herzlichst bedanken, dass Du dir die Zeit genommen hast und dass wir uns kennenlernen durften.

Vielen Dank

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