Meine Traumreise nach Moskau

5 Tage Moskau

Einige wissen vielleicht, dass ich Russisch in der Schule hatte. Zumindest kann ich die kyrillische Schrift lesen und ein paar rudimentäre Brocken auf Russisch sprechen. Nicht viel, aber Englisch und Deutsch gehen ja auch noch. Dachte ich zumindest.

Seit Jahren träume ich davon, einmal nach Russland zu dürfen. Viele bevorzugen Reisen in südliche Länder, Strandurlaub oder Amerika. Ich hingegen liebe Kulturen, Religionen, andere Sitten und Gebräuche, deshalb durfte da Russland nicht fehlen. In meinem ersten Roman, reiste meine Protagonistin nach Russland und ein Teil der Geschichte spielt in Moskau. Ehrlich gestanden, habe ich es wirklich nicht schlecht getroffen und dennoch gibt es Feinheiten, die ich heute anders beschreiben würde.

Nun aber zu meiner Reise. Viel Spaß beim Lesen.

Tag 1 – Flughäfen

Von München aus starteten wir. Wer mit einer Autorin verreist hat es nicht einfach, da ich über Propellermaschinen und andere Katastrophen sprach. Mein Koffer war der schwerste von allen, nachdem ich immer alle Eventualitäten einplane. Darüber schmunzelte man, was sich jedoch im Laufe der Woche änderte.

In München ging alles recht schnell, da man als EU- Bürger einfacher durchgelotst wurde. Wir tranken im Abflugbereich einen Kaffee, konnten, noch eine Zigarette in einem abgetrennten Bereich rauchen und schon ging es los.

Das Flugzeug der Flotte S7 (kleine unbekannte Airline, mit Hauptsitz in Moskau) war zwar bereits etwas älter, jedoch erstaunlich sauber. Nachdem wir diese betraten, durfte man sich umgehend von der deutschen Sprache verabschieden. Englisch ging auch nicht und so brauchte ich schon da mein Wörterbuch. Tomatensaft ging noch einfach, Apfelsine funktioniert ebenfalls. Doch bereits da ahnte ich, dass ich wohl sehr oft auf Zeichensprache zurückgreifen müsse.

Im Moskauer Flughafen (Domodedovo) dauerte die Passkontrolle ewig. Brille musste runter, man schaute sich die Einreisenden akribisch an. Die russischen Bürger wurden dort abgeleitet und so gab es ausgleichende Gerechtigkeit, da diese dort schneller durchkamen. Nur eines stellten wir schnell fest, dass man am Flughafen nicht rauchen durfte. Erst draußen gab es Mülleimer mit einem weißen Rechteck auf dem Boden. Dort standen die Raucher. Unsere junge Reiseleiterin Julia empfing uns freundlich, ein abgedunkelter, moderner VW-Bus des Hotels wartete auf uns und wir lernten schnell, dass in ganz Moskau Rauchverbot gilt. Ausschließlich an Mülleimern darf man rauchen.

Liebe Nichtraucher, dies sollte eure Traumstadt sein!!!

Staatlicher Bibliothek Moskau

An der Lenin Bibliothek (Russische Staatsbibliothek) befand sich, nicht weit vom Alexander Garten und dem roten Platz, unser Hotel. Ein modernes Stadthotel mitten in Moskau, unmittelbar im Stadtzentrum.

Zum Abendessen begaben wir uns auf den Arbat. Dies ist das Szeneviertel in Moskau. Eine langgezogene Straße in der man Künstler, Musiker, Maler, Souvenirläden und auch viele Restaurants sowie Cafés findet. Dort aßen wir zu Abend, lauschten ein paar Straßenmusikern und staunten über das turbulente Treiben dieser Stadt. Wir besorgten uns noch Kaffee für den Morgen, spazierten zum Alexandergarten und betrachteten beeindruckt die Lichter der Stadt. Nachdem der 12.06. ein Feiertag ist, gab es sogar noch ein Feuerwerk direkt über dem Kreml. Atemberaubend schön gingen die Raketen hinter dem Kreml hoch und wir verliebten uns umgehend in unseren Urlaubsort.

 

 

Tag 2

Es regnete und und es wurde kalt.

Zwar entschuldigten sich die Bewohner Moskaus unentwegt wegen dem schlechten Wetter, dennoch wurde es teilweise zu einer kleinen Tortur. Unsere Reiseleitung holte uns nach dem Frühstück ab, wollte uns die vielen interessanten Häuser und deren Geschichte näher bringen, doch der Regen nahm kein Ende. Zwischendurch platzte dieser auf uns hernieder und wir flüchteten in eine kleine Kirche. Durchnässt erfuhren wir, dass diese kleinen Kirchen in der Stalinzeit oft zweckentfremdet oder sogar zerstört wurden. Eine ältere Dame führte uns in einen Keller, der damals geheim blieb und wir entdeckten einen wunderschönen Altar.

Diese kleinen Kirchen dienten zum Beispiel als Lager für Getreide. In der Ära von Stalin wurde die Religion untersagt und verboten. Nur an wenigen Orten konnten die Einheimischen ihren Glauben ausleben. Durch den Tipp der Dame fanden wir eine zweite Kirche, in der gerade ein kleiner Gottesdienst abgehalten wurde. Es gibt keine Sitzbänke, denn die Betenden stehen um den „Priester“ herum. Die orthodoxe Kirche in Russland unterscheidet sich maßgeblich von unserem Christentum. Sie haben Ikonen und sehr viele Heilige. Wer sich dafür interessiert, dem hinterlege ich noch Links. Doch dies hier zu erläutern, würde zu ausschweifend ausfallen.

GUM

Nachdem der Platzregen etwas abnahm, machten wir uns auf dem Weg zum roten Platz. Wir besuchten das GUM (ein Edles, mächtiges Kaufhaus – ich beschrieb es bereits in meinem Roman VOIN). Gegenüber befindet sich die imposante Kremlmauer, mit dem davor befindlichen Lenin Mausoleum. Dies ist täglich bis 13.00Uhr geöffnet. Leider schafften wir es nicht, dieses zu besichtigen, da es auch nicht wirklich zu unseren Zielen gehörte.

 

Dafür sahen wir das Bolschoi-Theater und die Basilika.

Bolschoi Theater

Außerdem besuchten wir die Rüstkammer im Kreml und lernten viel über die Zaren sowie deren Kunstschätze kennen. Wer einmal in Dresden in dem Grünen Gewölbe war, müsste damit vieles anzufangen wissen. Meißner Porzellan entdeckten wir, reich verzierte Kutschen, Gewänder und die Entstehung der

 

Fabergé Eier. Die man überall in Moskau kaufen kann

 

Kreml innen

Tag 3

Wieder regnete es, trotzdem besuchten wir den Kreml. Dort erfuhren wir einiges über die Kirchen, die Zarenfamilien, weiteren Errungenschaften und was es mit diesen Glasböden auf sich hat. Immerhin klarte der Himmel etwas auf, wodurch diese Bilder etwas freundlicher aussehen als die restlichen.

Wenn man in Moskau genauer hinschaut, findet man immer wieder Glasfenster auf den Böden. Dort sieht man die Funde historischer Gebäude, die zerstört worden sind. Meist durch die stalinistische Ära, die viel verwüstete, aber auch andere Gebäude, mit sich brachte.

Aussicht auf das moderne Moskau, auch „Möchtegern Frankfurt“ genannt.

Danach fuhren wir zum Neujungfrauenkloster. Nur in letzter Minute erreichten wir den Eingangsbereich und saßen wegen erneutem Platzregen fest. Weißer Atemrauch bildete sich, die Temperatur sank auf unter 8°C und lauter Donner hallte über uns hinweg. Ja, das Wetter war uns nicht wohl gesonnen. Dennoch bekamen wir eine sehr spannende und vor allem ausführliche Führung durch das Kloster.

 

Tag 4

U-Bahnstationen…

           

 

Schaut Euch einfach die Bilder an. Moskau scheint nicht nur die größte, sondern auch die sauberste Stadt Europas zu sein. Man findet keine Schmierereien, keine Aufkleber, keinen Dreck und diese bezaubernden U-Bahnstationen raubten einen schier den Atem.

Danach sahen wir das Kosmonautenmuseum. Nach den ganzen Zaren und Kirchen empfand ich dieses wirklich als entspannende Abwechslung. Auch hier stelle ich die Bilder ein. Interessant waren die Details und Informationen über die Geschichte der Raumfahrt, wie noch heute weiter geforscht wird. Spannende Details über Errungenschaften und internationale Zusammenarbeit folgten. Danach gingen wir… wieder bewaffnet mit Regenschirmen, durch den nahegelegenen Park. WDNCh- Park nennt sich dieser und wurde den Ländern der Russischen Föderation gewidmet. Am Ende stand eine gigantische Weltraumrakete.

Danach trennten wir uns ein wenig und meine Schwägerin besuchte mit mir das Kinderkaufhaus. Dort sollte sich eine Aussichtsplattform befinden. Leider war diese wegen des Wetters geschlossen. Dennoch freuten wir uns riesig, allein mit der U-Bahn gefahren zu sein, ohne uns zu verirren. Das Kinderkaufhaus ist der totale Wahnsinn. Ein solches Geschäft habe ich noch nie zuvor gesehen. Auf (ich glaube) 7 Etagen befanden sich Restaurants, Kleidungsgeschäfte, Erlebnissbereiche, Spielzeug und vieles Andere nur für Kinder.

 

Tag 5

Das historische Museum in Moskau. Den Vormittag verbrachten wir in diesem. Dort erfährt man vieles über alte Funde aus Russland und die Menschheitsgeschichte. Das Witzigste war, als der Audioguide bei einem Sarg aus Marmor berichtete, dass der Deckel durch Deutsche zerstört wurde und durch die heroische Arbeit der Museumsmitarbeiter wieder aufgebaut werden konnte. Bei dem Begriff heroisch mussten wir alle herzlichst lachen.

Der Nachmittag war dann endlich Freizeit und ich konnte es mir nicht nehmen lassen das Puschkin Café zu besuchen. Ausversehen landete ich im Turandot und dort verliebte ich mich noch einmal in diese Stadt.

Der Abschied fiel schwer, aber ich bin fest entschlossen, dass ich dieses Land noch mehrfach besuchen werde. Immerhin hat es viele Städte zu bieten und St. Petersburg steht ganz weit oben auf meiner Reisewunschliste.

 

Fazit:

Kulinarisch hat Russland sehr viel zu bieten. Die Küche ist reichhaltig und vereint viele Nationalitäten. Neben Pelmeni (gefüllten Teigtaschen) Blinis, Pfannkuchen, gebratenen sowie gebackenen Speisen, Konfekt, Torten und Kuchen, Suppen und vielen anderen Leckereien. In Restaurants sollte man etwas Geduld mitbringen, da die Speisen sehr frisch zubereitet werden. Das dauert…

Service und Freundlichkeit ist so eine Sache. In Supermärkten und Banken fühlten sich einige Angestellte zu höherem berufen und gingen sehr arrogant mit einem um. Wiederrum erlebten wir aber auch sehr freundliche Mitarbeiter, nur manche schienen nicht mit einem Reden, geschweige denn, bedienen zu wollen. Das machten sie aber auch bei anderen Gästen.

Uns fiel auf, dass einige recht unkonzentriert wirkten. In Russland arbeiten viele in 24h Schichten. Da bitte etwas Nachsicht haben. Sie arbeiten 24h am Stück und haben anschließend zwei Tage frei. Viele haben auch mehrere Jobs und dadurch leidet der Service ein wenig oder die Putzfrau schläft am Lift ein.

Moskau ist sehr sauber. Man findet keinen Dreck, keine Kippenreste, keine Aufkleber in dieser Stadt. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt die alte Schule. Haben wir in Deutschland vergessen. Schwangeren, älteren oder hilfsbedürftigen Menschen bietet man einen Platz an. Keiner schreit herum, es geht geordnet und gesittet zu. Persönlich finde ich, dass man sich davon eine Scheibe abschneiden könnte.

Unisex ist auch kein Thema in Moskau. Die meisten Toiletten sind für Männer und Frauen. 😉

Moskau ist alles andere, als wir es uns vorstellen. Russland ist definitiv eine Reise Wert und würde einigen den Horizont erweitern. Man sagte uns: Glaubt Eurer Presse nichts, was sie über uns sagt.

Russland folgt seinen eigenen Regeln und ich fand es großartig. Die Menschen sind nicht wie an den Buffets in Urlaubsregionen, sie sind nicht laut, ungehobelt. Nein… ich erlebte ein vollkommenes anderes Moskau und ich bin absolut beeindruckt. Ein Rat noch von meiner Seite: Unbedingt vernünftige Schuhe einpacken! Die Wege in Moskau sind lang und man sollte gut zu Fuß sein!

Julia Shevelkina führte uns fünf Tage lang durch diese Stadt. Sie ist Journalistin für „Russia beyond the Headlines“ und sie ließ es zu, dass wir uns selbst ein Bild machen konnten. Danke Julia, danke für die großartige Zeit und wir sehen uns bald wieder. Dann zeige ich Dir München! (Denk an die Pfützen 🙂 )