Autoren und Recherche!

Nach dem letzten Beitrag zum Thema: „Braucht ein Autor ein Studium“, bekam ich so viele tolle Reaktionen, dass wir darauf aufbauen wollen. Deshalb folgt das Thema: Autoren und Recherche

Durch die Kommentare auf meiner Autorenseite, kam mir gleich die nächste Idee. Ein paar „befreundete Autoren“ witzelten herum und so entstand gleich dieser Beitrag. Außerdem recherchierte ich parallel in einem Künstlerforum. Neben vielen hilfreichen Kommentaren, schrieb eine Hobbyautorin (ich fand nicht mal ein Buch zu ihr): „Man sollte über Dinge schreiben, von denen man Ahnung hat!“ Eigentlich brauchte ich nicht antworten, da sich plötzlich viele auf meine Seite stellten. Aber genau dieser Kommentar bestärkte mich, dass ich diesen Beitrag schreiben musste.

Also fragte ich meine lieben Autorenkollegen, was sie alles schon verrücktes oder seltsames zu ihren Recherchen anstellten. Ich persönlich, rannte mit meinem Sohn vom Völkerschlachtdenkmal (Leipzig) zu den Parkplätzen. Meine Protagonistin Nadja muss durch die Hölle, nimmt in meiner Geschichte ihre Münzen zu Hilfe und rennt los. Aber im Buch hat sie nur etwa 3-5Minuten Zeit und der Weg erschien mir sehr lang. Also hieß es: rennen und Zeit stoppen. Die anderen Touristen wunderten sich ein wenig, da Mama eine Stoppuhr in der Hand hielt, einer murmelte sogar: „Lasst doch die Kinder, Kinder sein… immer dieser Druck der Eltern.“ Zumindest stoppte ich eine zufriedenstellende Zeit, meine Protagonistin musste nicht durch den Teich schwimmen. Danach betrachtete ich den Sockel des Denkmals und fragte einen Museumsmenschen, ob es irgendeine Mechanik verbaut hätte. Dieser sah mich total verwirrt an. „Na ja, könnte man damit in der Zeit reisen?“ Okay, es stellte sich heraus, dass er Fantasy liebt und danach gab es kein Halten mehr.

Bevor ich aber an meinem eigenen geistigen Gesundheitszustand zweifle, fragte ich andere Autoren, was die schon alles angestellt haben. Hier die Antworten und Gott sei Dank, ich bin nicht alleine …

Katharina Münz:

Um Authentizität in die Geschichte einzubringen übe ich mich mitunter im (Stock)Schwertkampf mit meinen Söhnen. Aber das ist nicht der Gipfel der Verrücktheit.

Den habe ich erreicht, indem ich einmal alle Katzen in den Garten ausgesperrt und ein Suppenhuhn auf einem Schneidbrett auf den Küchenfußbuden gelegt habe, um es mit einer Axt zu zerteilen. Wozu? Ich musste erleben, wie sich das anhört, wenn einer meiner Wikinger einen menschlichen Schädel spaltet.

Ach ja, und ich sollte nicht vergessen, mich herzlich bei den Zeugen Jehovas zu bedanken, für die Inspiration zu einer knöcheltief im Blut watenden Kampfszene, als sie mich samstagmorgens zu Unzeiten aus dem Bett geklingelt haben. Da war ich wahrlich mordbereit – und sehr froh, PC und Tastatur, anstatt des oben erwähnten Beils zur Hand zu haben.

Iris Krumbiegel:

Durch meinen Beruf als Altenpflegerin habe ich die Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu reden. Leider werden es immer weniger. Gerade deshalb ist es wichtig, diesen Menschen zuzuhören, damit die Erinnerung aufrecht erhalten bleibt. Zur Recherche meines Romans war ich auch im Konzentrationslager Dachau und konnte dort viele Eindrücke gewinnen, die ich dann beim Schreiben verarbeite.

Matthias Gerschwitz:

Häuser erzählen Geschichten, sagt man. Manchmal tun sie es freiwillig, doch gelegentlich muss man ein Haus ein wenig kitzeln, damit es seine Geheimnisse preisgibt. Über ein solches Haus habe ich ein Buch geschrieben, da ich in einem solchen Haus aufgewachsen bin – einem bergischen Doppelhaus Baujahr 1831 mit durchaus regionaler Bedeutung. Die Recherche im Solinger Stadtarchiv lüftete ein spannendes Geheimnis: In »unserer« Hälfte hatte von 1922 bis 1936 ein Gymnasiallehrer und zu seiner Zeit renommierter Schriftsteller gelebt: Otto Gmelin, der sich einen Namen mit historischen Romanen und Erzählungen aus den Zeiten der Völkerwanderung und des Mittelalters gemacht hatte. Sein Arbeitszimmer wurde später zum Kinderzimmer meines ältesten Bruders. Dieser musste sich Anfang der 60er im Gymnasium im Deutschunterricht noch mit einem Gmelin-Buch herumschlagen, ohne zu wissen, wo es verfasst worden war …

Anna-Tina Lang:

Ich könnte jetzt behaupten im Zuge meiner Recherche, hätte ich mehrmals Curaçao bereist, wäre dabei viele Stunden mit Delphinen geschwommen, hätte meine Tochter im Glücksrausch erlebt aber das wäre geschummelt. Bei meinem Buch war es anders herum. Ich habe erst dies alles erlebt, bevor ich auf die Idee kam, ein Buch über unser/mein Leben zu schreiben.

Marc Pain:

Um mehr über die Polizeiarbeit zu erfahren, war ich einmal mit einem befreundeten Kommissar zusammen auf Streife. Wir waren an verschiedenen Tatorten, haben Spuren gesichert und mit Zeugen gesprochen. Dabei wurde mir ein umfangreicher Einblick in die Ermittlungsarbeit gewährt: ich habe von verschiedenen Vernehmungsmethoden erfahren, wie es mit der Ortung von Verdächtigen funktioniert, und durfte der Arbeit der Spurensicherung und des Erkennungsdienstes beiwohnen; um nur einen Teil von dem zu nennen, was ich an diesem Tag erlebt habe. Diese Erfahrung hat mir beim Schreiben von Krimis sehr helfen können.

Ulrike Melzer:

Das Leben selbst ist für mich Inspiration. Wenn ich lebe, recherchiere ich. Nur gehe ich mit offenen Augen durch die Welt: Jede Situation bietet Stoff für den nächsten Roman. Verrückt fand ich, dass ich erdachte Situationen aus meinem Buch selbst erlebt habe, sobald ich mir eine Geschichte überlegt hatte. Zwei meiner Protagonisten machen Straßenmusik. Zu dieser Zeit hatte eine Freundin die Idee, dass wir uns doch auch mal daran versuchen konnten. Eine Recherche,  die wirklich Spaß machte. Ich habe plötzlich Menschen getroffen, die wie mein Protagonist Wladi in Stasihaft waren, habe ohne mühsame Suche interessante Artikel, Dokus und Ausstellungen zu diesem Thema entdeckt. Als wäre die Welt eine Filmkulisse. Ich musste keinen Plan erstellen -alles ist mir sozusagen zugeflogen. Da es im Buch um Berliner Clubs geht, habe ich Freunde befragt, die selbst in der Technoszene aktiv waren. In Cafes belausche ich gern Gespräche. Ich kann nur anderen Autoren den Rat geben, offen zu sein-die eigene Umgebung bietet oft so viel Geschichten. Mein Roman heißt „Filme fahren “ und das Genre könnte man am ehesten als „erzählende Gegenwartsliteratur“ bezeichnen.

Vielen Dank an die Autoren die sich Zeit nahmen. Es ist toll zu erfahren wie unterschiedlich manche an ihre Geschichten gehen. Wir alle scheinen in einem eigenen Universum zu existieren und aus unseren Erfahrungen, Erlernten, Begegnungen unsere Geschichten zu entwerfen.

Was sagt ihr dazu? Wie geht ihr an Eure Geschichten oder an die anderen Leser, die nicht schreiben: Was habt ihr geglaubt, wie die Geschichten in den Büchern entstehen?

Wir freuen uns über viele Kommentare!

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