Beitragsreichweite bei Facebook Sonntagsbeitrag

Wie moderiere ich eine öffentliche Facebook-Seite?

Mehrfach wurde ich gebeten, mal einen Beitrag über Beitragsreichweiten und diverse Moderationsansätze bei Facebook zu schreiben. Natürlich warne ich vor, dass manche Begrifflichkeit meinem inneren Zyniker entspringt, dies werde ich jedoch innerhalb des Beitrags erläutern.

Oft lese ich:

„Meine Reichweite ist im Keller!“

„Hilfe! Facebook dämpft meinen Erfolg!“

„Sehen meine Leser mich noch?“

„Das böse Facebook killt meine Reichweite!“

Nein, Facebook ist nicht der Teufel. Und nein, Facebook sitzt auch nicht auf Eurer Seite und dreht die Reichweite runter. Denn Facebook misst Eure Interaktionen und die Reaktionen darauf.

Innerhalb des Artikels zeige ich Euch Bilder von meiner Reichweite und den Aufrufen. Die Statistiken können Euch helfen. Anhand dieser seht Ihr, welche Posts von Euch erfolgreicher waren als andere. Man erkennt dort, worauf man die meisten Reaktionen erhalten hat, und vergleicht diese einfach mit den übrigen Beiträgen.

  1. Was möchte ich auf meiner Seite erreichen und was stelle ich dar?

Es sollte jedem bewusst sein, dass eine Fanpage eine öffentliche Seite ist. Also braucht man ein (kleines) Konzept, in dem klar wird, was man als Autor oder Person des öffentlichen Lebens darstellen möchte.

Manche richten Protagonisten-Seiten ein, andere stellen ihre Bücher in den Vordergrund und weitere sich als Autor. Was sagen meine Bücher/meine Produkte aus? Worauf basiert mein Roman? Was macht meinen Protagonisten aus? Was möchte ich mit der Welt teilen?

Beispiel: Wenn ich Thriller schreibe und eine gute Moderation habe, darf man auf einer solchen Seite auch mal einen Mord begehen. (Bitte mit einem kleinen Warnhinweis.)

  1. Was möchte ich auf keinem Fall?

Mir ist es am Anfang passiert, dass andere ihre Werbung plötzlich auf meiner Seite positionieren wollten. Also sollte man die Sicherheitseinstellungen überprüfen und sich mindestens einen Administrator zulegen, der auch bei provozierenden, sexuellen oder extrem politischen Äußerungen eingreift.

Beispiel: Neutral fragte ich, wer denn wählen geht. Im Text schrieb ich auch, dass ich keine Parteiempfehlungen wünsche, nur eben: Wer geht wählen?

Daraufhin gab es natürlich einen Linksextremisten, der gleich anfing mit: Ich wähle Links und jeder der was anderes wählt, ist dumm.

Bei einer Seite von 1669 Likes kann und werde ich niemandem seine politische Richtung vorschreiben. Deshalb wurde dieser Kommentar gelöscht. Die Person versuchte es erneut, was ebenfalls gelöscht wurde. Dafür wurde meine Handlung dann mit einem Entlike bestraft. Auch wenn es sich um eine öffentliche Seite handelt, so bestimmt der Inhaber die Regeln. Nein, ein Entlike lässt mich nicht weinend zusammenbrechen. Darauf gehe ich aber später noch einmal ein.

  1. Jammerbeiträge!

Wie ich diese hasse!

„Ach, ich hatte ne scheiß Woche!“ (Heulsmileys müssen dann noch dazu gepackt werden!)

„Meine Reichweite ist im Keller!“

„Meine Buchverkäufe sind im Keller! Ich gebe das Schreiben auf.“ (Ich verkneife es mir, dazu etwas zu sagen, oder meine Gedanken zu verraten.)

Diese Dinger lese ich nahezu täglich.

Hand aufs Herz, will echt jemand lesen, dass die Verkäufe im Eimer sind oder man ne doofe Woche hatte? Dann doch bitte genauer.

Postet „Lag mit Grippe im Bett“, macht ein Teetassenfoto dazu und fertig. Finden die Leser sicherlich spannender, zumal sie die Teetasse eines Autors bewundern dürfen.

Für mich persönlich passiert bei diesen Jammerposts folgendes: Sehe ich den einmal, blättere ich weiter, sehe ich es von der Person zweimal, blockiere ich die Seite oder entlike sie, weil ich es einfach satthabe, sowas ständig zu lesen.

  1. Bezieht, die Leser mit ein!

Manchmal nutze ich meine Seite auch gern zur Recherche. Ist richtig bequem und die Leute beteiligen sich gerne. Mir warf einmal eine Autorin vor: Steffi, du hast zwar 1600 Likes, aber du schaffst es nicht, dass 50 Menschen kommentieren. (Es ging ihr um die toten Likes.)

Dieser Spruch blieb in meinem Hinterstübchen und ich kenne mittlerweile viele meiner Leser. Bei meinen Rezensionen sehe ich, wie viele sie anklicken. Bei den Sonntagsbeiträgen lesen die meisten ebenfalls schweigend mit. Bei meinen persönlichen Posts hingegen reagieren sie. Spontan hatte ich keine Idee, doch ein paar Tage später saß ich an einem eigenen Romanprojekt und brauchte dringend Pferdenamen. Also schrieb ich auf meiner Seite: Ich suche für Pferderasse XXX passende Namen.

Meine Reichweite kletterte in den kommenden Tagen auf 8000 und ich bekam 274 Kommentare. Der Beitrag wurde 3900mal gesehen. Gut, dass meine Bücher immer auf dem Banner zu sehen sind. Das ist doch mal eine ordentliche Hausnummer.

Liebevoll nenne ich solche Beiträge: Murksbeiträge.

Im Übrigen sehe ich bei vielen wehklagenden Autorenseiten, dass die Autoren genau diesen Fehler begehen: Sie holen die Leser nicht ab, schreiben nur über sich selbst und vergessen es, die Leser mit einzubeziehen.

  1. Murksbeiträge …

… sind Beiträge aus dem Alltag eines Autors. Total banal, ein wenig persönlich und sie sprechen den Leser an. Der hat ja auch keine Nachrichtenseite geliket, sondern mich. Deshalb füttert man diese mit kleinen schönen Infos über die Person dahinter. Kommt immer gut an.

Einmal schrieb ich eine Spaßrezension über einen Badezusatz, der das Badewasser schleimig macht, nachdem mein Junior dieses zum Geburtstag bekam. Oder über einen störenden Piepton, den wir in der Wohnung hatten, die Quelle jedoch erst nicht ausfindig machen konnten und sich am Ende als Fieberthermometer entpuppte. Solche Dinge unterhalten und ziehen die Leserschaft an.

Genau so gut funktionieren auch kleine Spiele. Ich stellte die Frage ein: Weiß jemand was ein „Petrichor“ ist oder was der Begriff beschreibt? (Wetten, ihr googelt gleich?) Bei dem Begriff „Bassena“, bekam ich 1800 Reaktionen. (Nur um Beispiele und Zahlen zu nennen.)

Grundsätzlich gilt: Leser dürfen Spaß an den Beiträgen haben und einbezogen werden!

Hier noch eine Anmerkung: Hassbeiträge! Auch diese Anschuldigung bekam ich, da ich ein Rezensionsexemplar in der Hand hielt und einfach entsetzt war. Daraufhin postete ich selbiges auf meiner Seite, mit der Empfehlung, die Leseprobe anzusehen und mir mitzuteilen, wie andere darüber denken. Wirklich neutral gehalten. Der Autor las die Kommentare und mir flog die Geschichte um die Ohren. Es passieren Fehler und man lernt daraus. Nicht jeder Versuch funktioniert, manche gehen auch nach hinten los.

  1. Themen zu den eigenen Büchern.

Bei der Seite Paragraphen und Prosecco lese ich gerne mit. Wieso? Sie veröffentlichten ein Buch über junge Juristinnen, die ihre eigene Kanzlei eröffnen. Nachdem die Autorinnen ebenfalls Anwälte sind, schreiben sie auf ihrem Blog und ihrer Seite genau darüber. Es macht Spaß, diese Texte zu lesen, und da kommentiert man dann auch gerne.

Natürlich geht das bei einer Fantasyautorin etwas schlecht und ich werde kaum über meinen Beruf als Versicherungsmensch schreiben.

Genau deshalb fragte ich: Welche Superheldenfähigkeiten hättet ihr gern?

Auch christlich angehauchte Fragen stelle ich, aber da muss man sehr stark aufpassen, damit man niemandem auf den Schlips tritt. Außerdem sollte man die Antworten/Kommentare genau im Auge behalten. Wichtig ist auch, dass man reagiert und den Kommentierenden eine Reaktion zeigt. Liken und/oder antworten. Schön die Fans streicheln, unterhalten, Interesse zeigen. Das Danken sie einem, indem sie immer wieder vorbei sehen.

  1. Jetzt noch zur Buchwerbung!

Was mir extrem oft auffällt, ist, dass Autoren sich gerne auf Autorenseiten bewerben oder immer wieder auf den gleichen Seiten ihr Buchcover einstellen. Meint ihr wirklich, dass diese Strategie langfristig erfolgreich ist?

Was mache ich?

Ich habe mich mit einigen Autoren zusammengesetzt (telefoniert/geschrieben) und wir suchten zu ihren Büchern die passenden Werbeseiten aus. Die wenigsten Krimiautoren bewerben ihre Seite auf den Buch-Krimi-Seiten. Warum eigentlich nicht? Es gibt für jedes Genre eigene Fanseiten. Die Wahrscheinlichkeit, dort künftige Leser zu finden, ist höher, als auf den Standardseiten.

Oder auch regionale Werbeseiten. Schaut Euch da mal um. So überrennen wir die Leserschaft nicht mit dem dauerhaften Verteilen von Buchbeiträgen. Kleine, feine Textschnipsel sind ebenfalls gern gesehen, wenn man es nicht übertreibt, und sie sind eine Form der Seitenmoderation.

  1. Entliken und Content-Marketing

Es ist kein Geheimnis, dass ich Rezensionen schreibe und viele positive Feedbacks dafür erhalte. (Fällt für mich unter Content-Marketing.) Nur leider gibt es auch Autoren, die einem drei oder vier Sterne wirklich übel nehmen. Was dann schnell einen kleinen viralen Shitstorm zur Folge haben kann. Und natürlich rächt man sich, indem man meine Seite entliket.

Was soll ich dazu sagen, ohne zynisch zu werden? Bisher habe ich keinen Autor gezwungen oder gar genötigt, mir sein Buch zu schicken.

Es gab auch welche, die behaupteten, dass ich Bücher nur absahnen möchte. Bisher bekam jeder Autor seine Rezension und ich verbitte mir solche Kommentare. Über ein Entlike ärgere ich mich schon lange nicht mehr und meine Vorschläge sind keine Gesetze, sondern Anregungen. Immerhin habe ich 17 Jahre berufliche Vertriebserfahrung und weiß ein wenig über Verkaufspsychologie Bescheid.

Genau aus diesem Grund und den vielen „Meine Reichweite ist im Eimer!“ -Posts schrieb ich diesen Beitrag.

  1. Zusammenarbeit!

Findet Euch, unterstützt Euch, arbeitet mit anderen Autoren zusammen. Irgendwie sind es immer dieselben Autoren, die sich beteiligen, kommentieren und mal was teilen. Das bekommt man von mir wieder zurück und dann lohnt sich das Ganze richtig. Denn diese Leute, die immer da sind, regen auch andere dazu an, sich zu beteiligen. Und anstatt sich wegen fehlender Kommata oder einem Tippfehler gegenseitig fertig zu machen, sollte man mit Spaß an die Sache rangehen.

  1. Zum Schluss!

Facebook hasst Euch nicht. Die Reichweiten errechnen sich nach den Interaktionen, den Likes und den Kommentaren der Leser. Ihr müsst anhand der Reaktionen Eurer Leser erkennen, was diese interessiert, worauf sie reagieren und daraus dann ermitteln, was ihr ihnen bieten könnt. Behaltet eure Seiten gut im Auge und zeigt etwas Profil, neben den eigenen Büchern. Barbara Drucker hat beispielsweise einen Schreib-Coaching-Blog mit großartigen Beiträgen. Die Berichte der Anwältinnen sind toll. Helena Baum lebt in Italien und postet traumhafte Bilder. Ein Weiterer schreibt Gedichte und auch die kommen super an. Bruno Moebius postet sehr viel über sein Leben, seine Reisen, seine Musik.

Die Reichweite wird natürlich nicht immer bei 8000 liegen. Doch wenn man kontinuierlich an seiner Seite arbeitet, beobachtet und Rückschlüsse zieht, dann befindet man sich plötzlich nicht mehr allein im Raum der viralen Welt.

 

Mein Dank gilt Sarah Baines, die mir bei diesem Text mit einer kleinen Korrektur half.

 

Autor: Steffi Krumbiegel

Autorin und leidenschaftliche Leserin. Auf diesem Blog möchte ich meine Leidenschaft mit anderen teilen. Alles auf diesem Blog dreht sich um Literatur, das Schreiben und natürlich das Lesen.

6 Gedanken zu „Beitragsreichweite bei Facebook Sonntagsbeitrag

  1. Vielen Dank für diesen Impuls.

    Obwohl ich keine Autorenseite bei Facebook habe, sondern fotografiere, trifft dein Artikel absolut zu.
    „Mimimi“ geht schonmal gar nicht – und doch habe ich Fehler, wie mangelndes Einbeziehen der Community, selber schon gemacht.

    Nur leider fällt mir das auf meiner Seite immer etwas schwer. Oder genauer gesagt: ich weiß nicht so recht, wie ich meine Besucher einbinden kann. Wenn ich zum Beispiel einige neue Fotos poste, die zum Beispiel bei der letzten Session entstanden sind, weiß ich immer gar nicht, was ich dazu schreiben kann.

    Problem No. 2: es fehlt die Zielgruppe. Meine Beiträge sprechen die Besucher nicht wirklich an, weil ich mich in der falschen Zielgruppe bewege.

    Hast du einen Ratschlag, wie ich die richtige finde und meinen Content dann interessant vermarkte?

    1. Schreib mich doch über Facebook an, dann betrachten wir Deine Seite und finden bestimmt eine Lösung. Zaubern kann ich nicht, denn eine „Fanseite“ ist viel Arbeit. Jedoch kann ich bestimmt ein paar Tipps geben.
      Bin nur erst wieder am Abend erreichbar.
      Liebe Grüße
      Steffi

  2. Liebe Steffi,

    ein sehr guter Artikel! Bestätigt auch meine Erfahrungen, dass es nach Interakktion geht. An den täglichen „Böses Facebook, sieht mich wer“- Posts wird er wohl nichts ändern, aber es sind einige gute Tipps dabei. Wobei ich mich manchmal frage, ob diese Posta nicht oft auch kalkuliert sind. Sie bekommen ja viele Reaktionen … Ich versuche aber, lieber positiv zu sein.

    Und was ich von Autoren halte, die mit dem Aufhören „drohen”, wenn die Leser nicht fleißig genug kommentieren oder es mal nicht läuft, behalte ich auch lieber für mich. Einmal sehe ich drüber hinweg, kommt das mehrmals, bin ich dann weg.

    Liebe Grüße

    Claudia

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