Noah von Manteuffel

Wenn man weiß, dass man stirbt, fängt man an, vieles zu bereuen. Nicht jede grausame Tat, für die man mich verurteilte, beging ich aus freiem Willen. Doch die größte Pein, die in mir liegt, ist die Tatsache, dass ich Nadja nie vor dem wahren Feind warnen konnte. Aber nun, so scheint es, sind diese Dämonen den anderen zuvorgekommen und ich hoffe inniglich, dass die Welt endlich von den Ungeheuern, welche mich mein ganzes Leben lang beeinflussten, Besitz von mir ergriffen, mich zu dem machten, was ich nie sein wollte, befreit wird.

Wenn Nadja je erfahren hätte, wer ihr all das antat, wie hätte sie es verkraftet? Was wäre aus ihrem Vater geworden? Sicherlich wäre sein Herz entzweigerissen und ein Christian von Hoym konnte in einer solchen Situation zu einem Feldzug aufrufen, den man nicht aufhalten könnte. Annabelle hat all unsere Leben zerstört, doch nun wüten die Dämonen über unsere prächtigen Ländereien hinweg. Wir schafften es nicht, sie aufzuhalten, zumal die Jäger ohne uns verloren waren, aber sie weigerten sich, mir zu folgen.

Nadja und ich hätten das Ritual vollziehen müssen, aber auch diese Chance nahm uns Annabelle. Wäre ich doch nur stärker gewesen, hätte ich nur diese inneren Dämonen besiegt, dann wäre es niemals zu diesem schrecklichen Unfall gekommen. Annabelle wollte sterben, sie musste sterben und ihr perfider Plan stürzte uns alle in grenzenloses Leid.

Würde ich noch einmal die Chance bekommen, ihr gegenüberzutreten, so würde ich sie erbarmungslos niedermetzeln. All meine inneren Seelenqualen an ihrem toten Leib auslassen. Aber nun liege ich unter einem Altar, warte auf meinen Tod, das Blut sickert langsam aus mir hinaus, die ersten Zuckungen meines eigenen Ablebens spüre ich bereits.

Diese Worte schreibe ich an die Wand, nur eine Kerze erhellt diesen finsteren Ort. Den Stein habe ich bereits gelöst, denn sobald meine Seele diesen Körper verlässt, werde ich in die Hölle gesaugt. Die ewige Verdammnis wird mich begleiten, nur Nadjas Augen, ihr Blick, wird mir für immer Ruhe spenden.

 

Ich war zu Großem auserkoren,

als Gottes Meisterwerk geboren,

und hab gemordet unter Zwang,

der mich wie Feuer ganz verschlang.

So hab ich ihn perfid‘ geblendet,

die Klinge gegen ihn verwendet,

das Schwert getrieben in die Brust

aus reiner Gier und Bluteslust.

Ich hab die Jahre lang gefoltert,

doch bin getaumelt, bin gestolpert,

mein Herz, es hätt‘ mich fast verraten,

doch lass‘ ich nicht von meinen Taten.

Ich hab bestimmt zu viel gelernt,

mich weit von meinem Herz entfernt.

Sie ist zur rechten Zeit gekommen,

und hat mein Erbe angenommen.

Ich habe sie dort stehen seh’n,

sie war so jung und wunderschön,

und wusste gleich, ich würd‘ sie lieben,

doch leider ist sie nicht geblieben.

Doch wenn mein Herz sich erst enthüllt,

sich unser Los gewiss erfüllt,

dann werden wir als Paar auf ewig,

regier’n als Königin und König.

Ich muss ihr helfen, muss sie warnen,

ich muss erzählen von Gefahren,

denn nur gemeinsam könn‘ wir siegen,

und werden uns auf ewig lieben.

 

3 Gedanken zu „Noah von Manteuffel“

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