Welche Referenzen benötigt ein Autor?

Vor einigen Wochen kommunizierte ich mit einer jungen Dame, welche im Liebesbereich schreibt. Sie ist ebenfalls Selfpublisher und investiert viel Liebe in ihre Bücher. Sie meinte zu mir, dass sie sich nicht wirklich als Autorin sieht, da sie nie studiert hätte.

Wie es der Zufall so wollte, erwischte ich ein paar Tage später – in der Arbeit, eine mürrische Kollegin der ich gewöhnlich aus dem Weg gehe. Diese sagte zu mir: „Du hast ja kein Journalismus studiert, da kannst ja gar nicht schreiben!“ Gott sei Dank, dass mir sehr viele Leute Zuspruch schenken und ich ein gesundes Selbstbewusstsein besitze, deshalb grinste ich frech, drehte mich um und antwortete: „Klar! Dies sehe ich bei den Bildzeitungsartikeln oder beim Fokus, die beherrschen nicht mal die Rechtschreibung.“

Aber genau aus diesem Grund wollte ich mal herausfinden, was einen guten Schriftsteller ausmacht. Man sollte auch wissen, dass Charles Bukowski (Weltliterat) Postbote war. Stephen King (Richard Bachmann) studierte zwar, arbeitete aber in einer Wäscherei, um seine Familie zu ernähren. Dort war er als Bügler angestellt, da anfangs kein Verlag seine Werke wollte.

Wolfgang Hohlbein, der wohl erfolgreichste deutsche Autor, ist gelernter Industriekaufmann. Nichts mit Studium …

Um der Sache mal auf den Grund zu gehen, befragte ich ein paar Autoren aus meinem Umfeld. Ich bat sie, uns mal ihre Ansicht zu einem guten Schriftsteller mitzuteilen. Gerne würde ich unbekannten Autoren etwas Mut machen und unabhängige, weitere Meinungen unter meinem Beitrag lesen.

Persönlich bin ich der Ansicht, dass Autoren sehr viel Liebe, Leidenschaft in ihre Bücher stecken sollten. Ich liebe Geschichten mit Seele, aber dies wissen meine Leser bereits.

Meinungen anderer Autoren, Schriftsteller und Verleger:

Patricia Vonier(Fantasy):

„Studium nicht, aber man sollte schon sprachlich flexibel und gebildet sein. Im Belletristikbereich würde ich sagen, der Autor solle fähig sein, eine völlig neue Geschichte zu schreiben, anstatt nur etwas abzuwandeln und zu kopieren. Und mich nerven gerade extrem belanglose Texte, die ohne Höhen und Tiefen vor sich hinplätschern.“

MatthiasGerschwitz (Gegenwartsliteratur):

„Von jedem Autor erwarte ich, dass er sein Handwerk (Sprache, Grammatik etc.) beherrscht. Dazu braucht man nicht unbedingt eine besondere Ausbildung, sondern im Wesentlichen Interesse und Begeisterung. Und Respekt vor dem Leser.

Ein guter Autor schafft es, den Leser an seinem Buch zu beteiligen, entweder als gespannten Zuschauer oder als zusätzlichen Rollencharakter. Für mich bedeutet das: Ein guter Autor schafft es, dass sein Buch beim Lesen in meinem Kopf als Film abläuft.“

Falk-AdrianHoog (Horrorthriller):

„Es ist keine Voraussetzung als Autor ein Studium vorzuweisen. Ein guter Autor muss lediglich mit Worten umgehen können und dabei seine Leser fesseln, bannen, die Realität ausblenden lassen können und sie in eine andere Wirklichkeit bringen, die sie riechen, schmecken, die sie spüren und für die Zeit des Lesens leben werden.“

IngolfLudmann-Schneider (Verleger):

„Ein guter Autor (Verlagsautor) ist, der mit dem Verlag hundert Prozent mit seinem Verlag zusammen arbeitet um aus einem Rohdiamanten (Manuskript) einen Buchdiamanten (marktfähiges Buch) schleifen möchte. Autor sein heißt für mich: Zu wissen das Autor sein nicht nur auf das Schreiben beschränkt sondern auch Öffentlichkeitsarbeit und Marketing ist. Das obliegt nicht allein dem Verlag, da der Verlag keine Werbeagentur ist sondern ein Verlag.“

GüntherMachallet:

„Ein Autor muss nur in der Lage sein, seine Ideen, Erkenntnisse Erlebtes oder Gehörtes in einem Text zusammenzufassen und so zu schildern, dass es auch andere Menschen gern lesen. Ich habe schon ab ca. 4 Jahren lesen gekonnt und die Bibliothek meines Vaters stand mir immer offen. Und so habe ich ein umfangreiches Wissen erworben. Später hatte ich auch einen eigenen kleinen Verlag (mit kleiner Druckerei) wo ich auch Bücher für andere Autoren drucken konnte.“

Iris Krumbiegel (Historisch – und Gegenwartsliteratur):

„Einen guten Autor macht seine Kreativität, Phantasie und Ideen aus. Er muss seine Protagonisten leben, mit ihnen lachen und leiden können. Wenn ein Autor selbst das Gefühl hat, sich nicht von seiner Geschichte trennen zu können, ist sie meiner Meinung nach gut.“

Marc Pain(Krimi und Thriller):

„Für mich macht einen guten Autor aus, dass er nicht nur schreiben will, sondern es muss. Es ist ihm ein Bedürfnis sich mitzuteilen, andere in den Bann zu ziehen oder sie wach zu rütteln. Außerdem spielen Erfahrungen und Einfühlungsvermögen in meinen Augen eine wichtige Rolle.“

DarkXperience (Lyrik):

„Ein Autor ist für mich jemand, der versucht, die Bilder & Geschichten aus seinem Kopf, mit Herzblut zu Papier zu bringen, um die Menschen damit zu erreichen. Jemand, der es schafft, dass andere sich in seinen Gedanken wiederfinden & fühlen, was er fühlt. Dafür braucht man kein Studium, aber eine gute Schulbildung ist ein Muss. Wer schreibt, sollte seine Sprache beherrschen und mit ihr umgehen können.“

Kat Hönow(Psychothriller):

„Ich bin Autorin und nein, ich habe nicht studiert. Das haben die Leute, die nach dem Wort „Ende“ meinem Werk den letzten Schliff verpassen viel nötiger. Um als Autor befähigt zu sein, reicht es mit Worten umzugehen und vollkommene Sätze daraus zu formen, so dass ein Film im Kopf entsteht, das macht einen Autor aus. Fachlich ausgedrückt reicht es aber auch schon, etwas Geschriebenes in die Freiheit zu entlassen. Sei es ein Gedicht oder ein kleiner öffentlicher Beitrag, bis hin zu einem Roman. Autor ist der, der etwas verfasst!“

StephaniePinkowsky (komplizierte Liebesgeschichten):

„Ein guter Autor schreibt mit Leidenschaft, in jedem seiner Werke steckt auch ein kleiner Teil seiner Seele. Ein guter Autor entwickelt sich ständig weiter. Er ist bereit, sowohl Lob als auch Kritik anzunehmen und er perfektioniert sein Handwerk von Buch zu Buch. Ein guter Autor schreibt nicht in erster Linie für Profit, Bekanntheit oder Erfolg, sondern weil ihn das Schreiben glücklich macht.“

BrittaBanowski (Kinder-/ Jugendbücher):

„Einen guten Autor macht die Disziplin aus sowie seine Phantasie, die mehr oder weniger gut manchmal ankommt. Auch seine eigene Art sich Dinge in der Welt anzuschauen und zu hinterfragen und sogar darüber zu schreiben, auch wenn es mal negativ sein muss.

Ein guter Autor geht konstruktiv mit Kritik um, erschließt sich neue Fachbegriffe, lernt an neuen Aufgaben und erweitert seinen Horizont.“

KatharinaMosel (Paragrafen und Prosecco):

„Was macht einen Autor aus? Darüber könnte man lange philosophieren.

Ganz einfach: er (die weibliche Form erspare ich mir jetzt) muss Geschichten erzählen können. Dafür braucht man kein Studium oder eine besondere Ausbildung. Ein guter Autor ist für mich jemand, der Geschichten erzählt, die mich auf irgendeine Art berühren. Das kann eine humorvolle, zum Nachdenken anregende, unterhaltsame, lehrreiche, traurige oder fesselnde Story sein, egal. Hauptsache sie ist gut erzählt. Vielleicht doch nicht so einfach?“

Vielen lieben Dank an alle, die sich so kurzfristig beteiligt haben. Gerne würde ich weitere Meinungen lesen wollen. Einfach in der Kommentarleiste antworten! Gegen offene sowie sachliche Diskussionen habe ich auch nichts.

©SteffiKrumbiegel

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