Müssen Bücher politisch korrekt sein?

Vor über einer Woche geisterte herum, dass man den Hugendubel vermeiden solle, da er Bücher aus dem Kopp-Verlag verkauft. Linke protestierten lauthals dagegen, vielleicht sollten sie eher lesen, anstatt sich in wirtschaftliche Belange von Unternehmen zu mischen. Die Zeiten: „Kauft nicht bei…“ sollten mal langsam verschwinden, zudem ich sämtliches radikales Gedankengut verabscheue. Egal ob Links oder Rechts, alles was mit Gewalt oder Manipulation zu tun hat, meide ich.

Hinzu kam, dass auf Twitter (habe mir leider den Kommentar nicht gespeichert) eine Dame meinte , dass sie politisch unkorrekte Bücher immer schlecht bewerten würde. Na ja, so dachte ich, klar ein Buch mit rechtem oder linkem Gedankengut würde ich nicht anrühren. Bis ich aber weiter las.

Sie definierte politisch unkorrekt, deutsche Bücher von deutschen Autoren. Wo sie verlangt, dass einer Dunkelhäutig, ein Transsexueller und mind. ein gleich Paar aus dem gleichen Geschlecht drin steht. Natürlich auch noch Genderkonform …

Gedanklich ging ich mal alle Bücher durch, die ich in den letzten Monaten las. Es gab nur eines was in etwa die Anforderungen erfüllte. Eins spielte sogar in Afghanistan, aber da fehlte die Beziehung zu einem gleichen Geschlecht. Verworren, empfinde ich es, wenn man sich das genau überlegt. Zudem würde meine künstlerische Freiheit darunter leiden.

Zynisch betrachtet, müsste ich sogar bei meinen Büchern bereits einen rechten Fanclub haben, aber die lesen wohl nicht. Nadja dreht sich nun mal um unsere alte Geschichte, weil ich meine Leser mal mehr zeigen wollte, als das dritte Reich und ich kann Nazigeschichten echt nicht mehr sehen. Ist aber Geschmackssache. Meine Liebesromanreihe spielt zu allem Übel in Moskau und Rom. Ach herrje was habe ich nur angerichtet? Mein Gedankengang war total einfach, nachdem ich Liebesromane mag, aber die meisten in Frankreich oder Amerika spielten, mit ein bisschen Glück ist London darunter, wollte ich eben etwas anderes und meine Protas passen nun mal vom menschlichen her, besser nach Moskau. Die Geschichte hätte weder in Berlin, noch in Paris gepasst. Aber es gibt auch da mal einen dunkelhäutigen Protagonisten und einen der eben einen Mann liebt. Jedoch habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht.

Als ich anfing diesen Beitrag zu verfassen und ich mich aus politischen Debatten liebend gerne raushalte, recherchierte ich dennoch. 2013 ging es um das Abändern von Kinderbüchern. Berühmtestes Beispiel war Pippi Langstrumpf – aus dem Negerkönig, sollte der Südseekönig werden.

Neger klingt ja verwerflich, aber man sollte wissen, dass dieses Wort aus dem Spanischen kommt „Negro = Schwarz“ bedeutet, so könnte man gar keinen bösen Gedanken bei diesem Wort finden. Eskimo = Rohfischfresser und ist auch ein böses Wort. Ich könnte diese Liste ewig weit fortsetzen und wenn man den Familiennamen Neger hat, dann ist man heute vollkommen verloren. (Ihr könnt ja mal googlen, sehr witzige Erfahrungsberichte von Menschen mit dem Nachnamen…)

Zurück zu meinem Thema.

Für mich bedeutet diese politische Korrektheit ein Einschnitt in die Sprache, in meine Geschichten. Nachdem Nadja alte Geister sieht, welche vor Hunderten von Jahren verstorben sind, wird sie sich schwer tun einen dunkelhäutigem König gegenüber zu treten oder einem arabischen Prinzen. Im Übrigen finde ich die derzeitige Entwicklung eh traurig. Wenn ich an 1001 Nacht denke, der arabische Prinz mit seinem Turban, edel und sinnlich, was davon noch übrig ist. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass man den arabischen Prinzen nun exakt seiner Herkunft definieren muss und sich dann noch mit muslimischer Religionslehre auskennen sollte. Aus dem Typen mit Turban würde: Iraner, Pakistani, Ägypter und was auch immer werden. Dann gibt es noch eine Indische Religion (wegen dem Turban), die mit dem Islam nichts zu tun hat und genau da wird es verworren.

Keiner macht sich diese Gedanken beim Christentum: Evangelisch, Protestant, Katholik, Orthodox (die unterscheiden sich auch noch mal) … das ist zum verrückt werden. Meine Protagonistin stapft in eine Kirche und basta.

Noch besser wird es bei diesem Genderwahn. Wenn ich darauf achte, bin ich im Eimer. Meine Studentinnen werden es bald schwer haben… Ich würde gerne einen Gendergerechten Liebesroman lesen. Bestimmt total witzig, da man bei Gender auf geschlechtsspezifische Merkmale verzichtet.

Grundlegend müssten wir die Seiten von Autoren verändern. Autorinnen und Autoren – Netzwerke und so weiter. Bücher würden schlagartig verlängert werden.

„Der Chef ruft seine Mitarbeiter zum Gespräch!“ –

„Der Chef ruft seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Gespräch.“

Meine Ansicht, wenn Autoren genötigt werden eine „politisch-richtige“ Sprache zu verwenden, werden als nächstes Maler gezwungen auf Farben (braun) zu verzichten? Ich weiß nicht ob das richtig ist. Ziemlich blöd, zumal Felder oft braun sind. In Zukunft lassen diese Wahnsinnigen sich noch etwas für unseren Erdboden einfallen.

Kunst darf meiner Ansicht nach alles. Sie darf jede Geistige Grenze überschreiten, jede Ansicht vertreten. Sollen wir die europäischen Kirchen abreißen, weil da oft nackte Engel dargestellt sind? Sollen wir unsere Gedanken hübsch Korrekt verpacken? Sogar die Chroniken von Narnia wurden in die rechte Ecke gestellt. Gab es in der unendlichen Geschichte einen dunklen Mann? Tolstoi, Thomas Hardy, Goethe, Lessing, Schiller, alle sind nach der heutigen Vorstellung politisch rechts.

Kein Witz, es gibt im Netz ganze Debatten darüber.

Wir Schriftsteller und Schriftstellerinnen (upps, ich glaube die Frau muss zuerst da stehen, keine Ahnung, aber es ist mir egal) sind die Hüter der Sprache. Wir erfinden die Geschichten, wir geben den Menschen Notausgänge aus der Realität, wir liefern den Stoff zum Träumen oder unterrichten. Ich persönlich, werde mir da nicht reinreden lassen.

Was sagt ihr dazu?

Kopp Verlag – Zum Thema!

Hugendubel – Fokus!

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